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Rosige Aussichten

2:1 bezwingt Hertha BSC die Dortmunder und hält Kurs auf die Königsklasse

Die Fußballzukunft Berlins erscheint derzeit in ebenso rosiges Licht getaucht wie das Olympiastadion am vergangenen Sonnabend: Durch das Marathontor fiel warmgolden das Abendrot in die ausverkaufte Arena, als die Herthaner mit ihren Fans in der Ostkurve den 2:1-Sieg über Borussia Dortmund feierten. Fünfter ist Hertha BSC nach dem Sieg gegen den Tabellendritten und noch immer liegt die Champions-League-Teilnahme in greifbarer Nähe. »Jetzt sind es nur noch drei Punkte auf Dortmund«, frohlockte Hertha-Angreifer Salomon Kalou: »Wir sind nicht so weit weg von den Top-Drei.«

Sollten sich alle Berliner Fußballträume erfüllen, schafft Hertha BSC noch zumindest die Qualifikation für die Champions League, sicher aber das internationale Geschäft. Noch dazu könnte den Fans in Berlin die Erstligapremiere des Derbys Hertha BSC gegen 1.FC Union bevorstehen, nachdem die Köpenicker am Freitag auch bei St. Pauli gewonnen haben und weiterhin den Aufstieg anpeilen.

Beides könnte die Ausgangsposition der Hertha für Verhandlungen mit dem Senat stärken: Der 1892 gegründete Verein würde gern ein neues Fußballstadion für 55 000 Zuschauer errichten. Die Landesregierung hingegen pocht auf Erfüllung des laufenden Mietvertrages, laut dem Hertha bis 2025 im knapp 75 000 Zuschauer fassenden Olympiastadion aufläuft. Die Arena war für die WM 2006 für fast 250 Millionen Euro umgebaut worden war.

Bereits damals wollte sich Hertha zu jener Art Spitzenmannschaft mausern, der man sich anno 2017 mit Siegen wie dem gegen den BVB wieder annähert: Anders als beim umstrittenen 1:1 gegen den FC Bayern vor drei Wochen, bei dem Lewandowski in der 96. Minute den Ausgleich schaffte, hielten Kalou und Kollegen die Führung diesmal fest. Nachdem der Ivorer in der 11. Minute das 1:0 besorgt, Dortmunds Tormaschine Pierre-Emerick Aubameyang jedoch in der 55. den Ausgleich erzielt hatte, war es Marvin Plattenhardt, der für Hertha das umjubelte 2:1 mit einem direkt verwandelten Freistoß (71.) traf - just als es aussah, als würde der Champions-League-Viertelfinalist die Berliner noch in ihre Schranken weisen.

Weil aber Plattenhardt den Ball ebenso formvollendet wie hart ins Netz hinter BVB-Towart Bürki zu versenken wusste, bastelt die Mannschaft von Trainer Pal Dardai weiter an ihrem Heimnimbus: Zehn von zwölf Spielen hat Hertha im Berliner Olympiastadion in dieser Saison bereits gewinnen können, die Heimtabelle führen die Berliner mit 31 Punkten vor den Bayern (30) an. Auswärts indes gelangen erst neun Zähler. »Jetzt brauchen wir auch auswärts Lösungen, die es uns erlauben, Spiele, wie wir sie in Serie verloren haben, künftig auch zu gewinnen«, befand Manager Michael Preetz.

Gästetrainer Thomas Tuchel lobte den Auftritt der »starken« Berliner und haderte mit der Genauigkeit in den eigenen Reihen: »Es fehlten Präzision und Effektivität.« Am Dienstag steht für seine Elf im Pokalnachholspiel gegen Lotte schon das nächste wichtige Match an.

Hertha plagen derweil schon die Tücken des Erfolgs: Als Sieger hat man schnell auch die unangenehmen Typen am Hals. So sah sich Freistoßspezialist Marvin Plattenhardt am Samstagabend genötigt, auf einen Tweet der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus zu reagieren. Die AfD hatte kurz zuvor ein Foto gepostet, auf dem der Kreisverbandsvorsitzende aus Friedrichshain-Kreuzberg neben Plattenhardt auf einer Couch sitzt und den Daumen in die Kamera reckt: »Unser Abgeordneter mit dem Siegtorschützen«, schrieb die Berliner Abteilung der Rechtsaußenpartei dazu. »Langsam wird die Serie unheimlich.«

Plattenhardt habe den AfD-Mann bei einer Sponsorenveranstaltung nach dem Spiel getroffen, erklärte ein Vereinssprecher am Sonntag. Der Spieler selbst hatte sich zuvor schon auf Twitter um Abstand bemüht. Er habe keine Ahnung gehabt, mit wem er sich da fotografieren lasse, schrieb @Platte21. »Foto bitte sofort löschen! ... Ich distanziere mich klar!«

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