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Nicht krimineller als sonst

Die Polizei erfasste 2016 etwas weniger Straftaten, doch die Aufklärungsquote ist gesunken

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) entnimmt der Kriminalitätsstatistik zunächst einmal vor allem eine positive Botschaft. Wurde doch ein Rückgang der offiziell erfassten Straftaten um etwa 0,1 Prozent im vergangenen Jahr bei einem Bevölkerungszuwachs in der Stadt von mehr als 60 000 Menschen registriert. »Berlin wächst, aber die Kriminalität wächst nicht«, stellte er fest.

Gemeinsam mit Polizeipräsident Klaus Kandt stellt der Senator am Montag im Roten Rathaus »seine« erste Kriminalitätsstatistik vor. Mit der Bewältigung des Kriminalitätsgeschehen durch die Berliner Polizei, das 2016 im Wesentlichen in die Zuständigkeit seines Amtsvorgänger Frank Henkel (CDU) fiel, zeigte sich Geisel insgesamt durchaus zufrieden. Allerdings bewertete er die auf 42 Prozent gesunkene Aufklärungsquote als klar zu niedrig.

Noch 2007 hatte die Polizei im Durchschnitt jede zweite Straftat in der Stadt aufgeklärt. Die gesunkene Quote wird etwa auf die starke Zunahme der Taschen- und Fahrraddiebstähle zurückgeführt, bei denen nur selten Täter ermittelt werden.

»Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger deckt sich ohnehin nicht immer mit der tatsächlichen Entwicklung des Kriminalitätsgeschehens«, sagte Geisel. »Hinter jeder Zahl verbirgt sich das Schicksal von Menschen, wir müssen dabei immer an die Opfer denken. Und am wichtigsten ist es dabei, die Täter zu ermitteln.«

Eine gute Nachricht ist in diesem Zusammenhang, dass 2016 weniger Menschen Mord und Totschlag zum Opfer fielen, die Zahl sank von 122 auf 92 und erreichte den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Die Aufklärungsquote lag dabei mit 94,6 Prozent sehr hoch. Auch die 5156 Fälle von Raub stellten, zum vierten Mal in Folge, einen deutlichen Rückgang dar. Insgesamt habe die Zahl der Gewalttaten (62 612) etwas zugenommen, hieß es. Alle Formen der Körperverletzung legten 2016 um 5,3 Prozent zu.

Dass es weniger schwerste Verbrechen wie Mord, Totschlag und Raub gebe, belege laut Kandt: »Die ständig wiederholte Behauptung ›es wird immer schlimmer‹ ist falsch.« Kandt setzt auf die für 2017 zugesagten 600 zusätzlichen Stellen bei der Polizei, fällige Investitionen in die materiell-technische Ausstattung und auch die Wiederaufnahme gemeinsamer Streifen in der U-Bahn.

Eigentumsdelikte prägten mit fast 50 Prozent aller Straftaten die Gesamtbilanz. Schwerpunkte bildeten erneut Taschen- und Ladendiebstahl, der Diebstahl von und aus Kraftfahrzeugen sowie der Fahrradklau. Vor allem die erneut gestiegenen Diebstahlsfälle bei Taschen (44 722) und Fahrrädern (34 418 Fälle) markierten nach Angaben Kandts einen neuen »bedauerlichen Höchststand«. Häufig habe man es mit professionellen, mobilen und in der Regel nichtdeutschen Banden zu tun. Dank der Bildung spezieller Ermittlungsgruppen und intensivierter polizeilicher Zusammenarbeit habe man mehr Festnahmen, 227 Haftbefehle und seit Sommer eine Trendumkehr erreicht.

Erfreut zeigten sich Innensenator und Polizeipräsident angesichts der rückläufigen Zahl der Wohnungseinbrüche. Nach 11 815 Fällen 2015 wurden 11 507 gemeldet. Beide sahen darin nicht zuletzt einen Erfolg der intensiven Präventionskampagnen und einer besseren Sicherung von Wohnungen und Häusern.

Unschärfen offenbarte die Statistik beim Thema »Kriminalität im Zusammenhang mit Zuwanderung«. Kandt führte dies auf ungenaue Zahlenangaben über die in der Stadt lebenden Schutzsuchenden. Unter den 135 886 im Zusammenhang mit Straftaten - ohne Verstöße gegen das Ausländerrecht - erfassten Verdächtigen stellten Flüchtlinge mit 9614 einen auffällig großen Anteil. Zugeordnet wurden Zuwanderern 2016 insgesamt rund 17 000 Straftaten.

Sorge bereiteten den Behörden die islamistische Bedrohung und die Rückkehr von Gefährdern. Es gab 413 Fälle politisch-motivierter Ausländerkriminalität (plus 41 Prozent), 49 hatten islamistischem Hintergrund.

Die politisch motivierte Kriminalität schlug mit 4112 Fällen zu Buche - ein Plus von 312 zu 2015 und der höchste Wert, seit 2003 die Statistik eingeführt wurde, so Kandt. In 664 Fällen handelte es sich um Gewaltdelikte (minus 34). Doch gebe es wegen des Terroranschlags am Breitscheidplatz im Dezember noch Erfassungsrückstände. Der rechten Szene wurden 1688 Fälle zugeordnet (minus 78), der linken Szene 1226 Fälle (plus 166). In der rechten Szene war die Flüchtlingszuwanderung das zentrale Thema, in 44 Fällen kam es zu Attacken auf Asylunterkünfte.

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