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Pilotenschüler hängen nicht mehr in der Luft

Nach jahrelangem Streit und vielen Streiks haben sich Vereinigung Cockpit und Lufthansa geeinigt

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Lufthansa haben sich geeinigt. In der Nacht zu Mittwoch habe man eine Absichtserklärung zu den seit Jahren offenen Tariffragen festgeklopft, teilten die Parteien mit. Damit dürfte eine Auseinandersetzung, die seit 2012 andauerte und in der die rund 5400 Lufthansa-PilotInnen 14 Mal mit Streiks weite Teile des Flugplans lahmlegten, bis zur Jahresmitte beendet sein. Konkret geht es um neue Regelungen zum Vergütungs- und zum Manteltarifvertrag sowie zur betrieblichen Alterssicherung. Beide Seiten haben teils Zugeständnisse gemacht.

Die Piloten haben zugesagt, die »Cockpitstückkosten« um 15 Prozent zu senken, auf der anderen Seite hat die Lufthansa zugesagt, die Konzernflotte leicht auszubauen und die Ausdünnung der Flotte zu stoppen. PilotInnen in Ausbildung haben damit wieder Chancen auf eine Übernahme und CopilotInnen wieder die Chance auf Beförderung. Die Einigung, auf deren Grundlage die neuen Tarifverträge in der ersten Jahreshälfte ausformuliert werden sollen, sieht zudem eine Friedenspflicht während der Laufzeit bis 2022 vor.

Um die Einsparung zu erreichen, sagte VC zu, die Obergrenze, ab der Überstunden ausbezahlt werden müssen, von 70 auf 74,5 Stunden anzuheben. Die im Manteltarifvertrag geregelte erlaubte Gesamtflugzeit »nähert sich ein wenig der im Gesetz festgehaltenen Gesamtflugzeit an«, sagte VC-Vorstandsmitglied und Sprecher Markus Wahl gegenüber »nd« - sie steigt also ebenfalls leicht.

Die dickste Kröte, die die Beschäftigten zu schlucken haben, dürfte indes die Umstellung der sogenannten Übergangsversorgung, der betrieblichen Alterssicherung, sein: Das durchschnittliche Alter, in dem PilotInnen in den Vorruhestand gehen können, steigt von 58 auf 60 Jahre. Zudem wird das Finanzierungsmodell geändert. Grob gesagt: weg von der garantierten Höhe der Betriebsrentenzahlungen, hin zu einer garantierten Höhe der Beiträge, die von den Beschäftigten in den gemeinsam finanzierten Altersfonds eingezahlt werden. Das bedeutet letztlich, dass die Rücklagen, die Lufthansa für diese Rentenkasse bilden muss, bei Schwankungen an den Kapitalmärkten nicht mehr vom Konzern ausgeglichen werden müssen. Das Risiko liegt fortan bei den Beschäftigten.

Im Gegenzug garantiert Lufthansa, dass bis zum Jahr 2022 die Lufthansaflotte von derzeit knapp 300 auf 325 Maschinen aufgestockt wird, und sagte zu, die Bereederung von 40 Maschinen außerhalb des Konzerntarifvertrages zu stoppen. »Derzeit hängen in Bremen 700 Pilotenschüler in der Luft«, sagte Markus Wahl - klingt lustig, war aber ein ernstes Problem. Da der Konzern in den letzten Jahren gleichzeitig seine Billigtöchter wie Eurowings ausgebaut und die Lufthansa-Flotte ausgedünnt hat, war die Übernahme vom Nachwuchs zu guten Bedingungen schwer. »Die Erpressbarkeit ist weg«, sagt Wahl. Die Einigung sei ein erster Schritt zurück zur Tarifpartnerschaft.

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