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Israels Luftwaffe flog Attacken gegen Palmyra

Ziel war vermutlich die Hisbollah / Im Gegenzug erstmals mehrere Raketen aus Syrien auf Angreifer abgefeuert

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am Freitagmorgen kurz vor drei Uhr heulten in den israelischen Siedlungen im Jordantal die Sirenen. Kurz darauf: Ein Knall, der selbst in Jerusalem noch gut hörbar gewesen sei, berichten Anwohner. Es war eine syrische Rakete, die von einem israelischen Abwehrsystem zerstört worden wurde.

Und die Israels Rakete dazu zwang, zum ersten Mal seit vielen Jahren, Details einer Militäroperation in Syrien bekannt zu geben: Insgesamt vier Kampfflugzeuge hätten Ziele in Syrien angegriffen. Vier Kampfjets drangen in der Nacht über libanesisches Territorium in den syrischen Luftraum ein und trafen ein »militärisches Ziel« nahe der Oasenstadt Palmyra, so Israels Militär in einer Stellungnahme; die syrische Armee habe daraufhin mit Boden-Luft-Raketen auf die Jets geschossen, die sich aber zu diesem Zeitpunkt wieder in israelischem Luftraum befunden hätten. Syriens Regierung behauptet, man habe einen der Jets abgeschossen. Israels Militär bestreitet dies.

Es kommt relativ häufig vor, dass Israels Luftwaffe Ziele in Syrien angreift: Meist handelt es sich dabei um Einrichtungen der Hisbollah, der libanesischen Partei Gottes, die im syrischen Krieg die Regierung unterstützt. Israelische und arabische Medien berichten, im aktuellen Fall habe es sich um eine Waffenlieferung aus Iran an die Hisbollah gehandelt. Die iranischen Revolutionsgarden unterstützen Syriens Präsident Baschar al-Assad und die Hisbollah durch den Einsatz von Militärberatern und die Lieferung von fortgeschrittener Waffentechnik. Man sei besorgt, dass diese Waffen von der Hisbollah für einen weiteren Krieg gegen Israel benutzt werden könnten, sagte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman: »Wir werden deshalb alles tun, um dies zu verhindern.« Seit dem Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 befinden sich Israel und Syrien offiziell im Kriegszustand.

Doch die nächtliche Eskalation war die schwerste zwischen Israel und Syrien mindestens seit dem Beginn des Bürgerkrieges vor sechs Jahren. Bislang verliefen israelische Luftangriffe über Syrien stets ohne Gegenwehr; auch im Nachhinein blieb es bislang stets bei Ankündigungen aus Damaskus, man werde Vergeltung üben. Konfrontationen verliefen stets niederschwellig, zum Beispiel indem Assad nahestehende Milizen versuchten, auf den seit 1967 israelisch besetzten syrischen Golanhöhen Sprengfallen zu legen.

Dies gelang aber nur vereinzelt. Der Hauptgrund für die syrische Zurückhaltung war bislang, dass das syrische Militär schlicht nicht zur Reaktion fähig war; die israelischen Jets kommen überdies durch modernste Technik getarnt und stets im Schutz der Nacht. Gleichzeitig hatten bislang weder Syriens Regierung noch die Hisbollah Interesse an einer Auseinandersetzung mit Israel: Die Hisbollah gilt als stärkste militärische Kraft in Libanon, ist aber dabei, sich dauerhaft auch als politische Kraft zu etablieren. Und in Syrien hat die Regierungsarmee genug damit zu tun, die Kontrolle über das Land wieder zu gewinnen.

Warum es nun zur Gegenwehr kam, dazu gibt es verschiedene Theorien. Ein Kommentator des israelischen Armeeradios vermutet, dass etwas schief gegangen ist, die israelischen Jets zu lange gebraucht haben, und erkannt worden sind. Ein Analyst des israelischen Senders Kanal 2 geht indes davon aus, dass das syrische Militär seit dem letzten Angriff im vorigen Jahr, seine Waffentechnik verbessert hat, wahrscheinlich mit iranischer Unterstützung.

Die Ereignisse werfen aber auch ein Schlaglicht auf die komplexe Situation, der Israel in Bezug auf Syrien ausgesetzt ist: Seit Beginn des Bürgerkriegs vertrat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu die Ansicht, dass ein schwacher Assad, und eine Hisbollah, deren militärischen Kräfte in Syrien gebunden sind, die Kriegsgefahr für Israel mindern; man müsse nur durch gezielte Schläge verhindern, dass beide ihre militärischen Fähigkeiten ausbauen.

Doch seit einigen Wochen haben die iranischen Revolutionsgarden ihr Engagement in Syrien noch weiter verstärkt: So wurde Anfang des Monats die Gründung einer »Golan-Befreiungsarmee« bekannt gegeben; die Kommandeure stammen sowohl aus Iran, als auch aus der libanesischen Hisbollah und einer irakischen schiitischen Miliz.

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