Nennen Sie mich Lach-Conférencier!

Sebastian Pufpaff über politisches Kabarett, gediegene Comedy und Humorgrenzen

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Herr Pufpaff, da wir beide Nachnamen haben, die merkwürdige Assoziationsketten beim Gegenüber auslösen …
Freitag, stimmt, auch sehr steile Vorlage.

Sebastian Pufpaff

Sebastian Pufpaff zählt zu den derzeit erfolgreichsten Humorarbeitern des anspruchsvollen Fernsehens. Dabei wurde der studierte Politikwissenschaftler bei RTL ausgebildet und war zwischendurch als Kommunikationstrainer tätig. Seit 2013 verbindet er in seiner »Happy Hour« auf 3sat politischen Humor mit gediegener Comedy. Jan Freitag hat der 40-Jährige u.a. erzählt, warum er sich dennoch nicht über Mario Barth lustig machen will.

Was war das bescheuertste Pufpaff-Wortspiel bislang?
Oh, da gibt es eine Menge. Assoziativ liege ich natürlich schnell mal im Rotlichtmilieu, wofür man die erste Silbe nur um ein «f» erweitern und isolieren muss. Ansonsten folgt krampfhaft die Abwandlung zu so was wie Piffpaff, also in den Bereich der Explosionstechnik, wo mein Name ja auch tatsächlich herstammt.

Hat dieser Wortspielreflex ihren Humor geprägt?
Kann sein. Wer einen der beklopptesten Namen der Republik hat, versucht, dem Gegenüber mit einem eigenen Witz darüber zuvorzukommen. So gesehen ist Pufpaff ein Grund, warum ich auf der Bühne stehe. Schließlich hatte ich die ersten zehn Minuten meines ersten Programms seinerzeit mit den größten Kuriositäten dieses Namens bestritten.

Zum Beispiel?
Als meine Mutter einen Brand gemeldet hat und die Feuerwehr nicht ausrücken wollte, weil sie den Namen für einen Scherz hielt. Unser Haus kokelte, der Löschzug kam nicht, erst beim vierten Anruf hat es geklappt. So was prägt.

In die Richtung, dass Ihr professioneller Humor nicht strikt politisch, sondern offen für Comedy ist?
Absolut. Die angestaubte Form des Kabaretts versteht unter politischem Humor immer noch, einen Politiker zu nennen, die zugehörige Partei und dann deren Steuersystem durch den Kakao zu ziehen. Mein Humor darf durchaus über Trump schimpfen, kümmert sich aber lieber um jene 47 Prozent Menschen, die ihn gewählt haben. Ich bin eher schwarzhumoriger Gesellschaftssatiriker als politischer Schuldzuweiser; jemand, dessen Glatteishumor dem Publikum Assoziationsspielräume lässt, indem er zum Beispiel einfach mal das Wort Wichsen in den Saal wirft.

Wenn Sie nach oben die Grenze haben, nicht so staubig wie das alte Kabarett sein zu wollen - gibt es eine nach unten, nicht so zotig wie Mario Barth zu werden?
Wie arrogant wäre es als Humorarbeiter, einen Kollegen, der an zwei Abenden 130 000 Leute ins Olympiastadion lockt, als zotig abzutun. Mein einziges Qualitätsmerkmal lautet, dass hinter jedem Satz, jedem Gag, jeder Pointe die Frage stehen muss, was ich damit sagen will. Es gibt bei mir immer eine Message. Wenn ich in meinem Programm ein Kind in der Badewanne ertränke, mag das erstmal verstörend wirken. Inhaltlich jedoch wird es durch die Kritik an unserer Bildungspolitik abgefedert, weil sie besonders die armen Kinder so benachteiligt, dass es eine Art Tod auf Raten ist.

Klingt jetzt eher böse als lustig.
Ja, aber keine Sorge: Über den Abend gesehen ist mir vor allem daran gelegen, dass die Leute am Ende lachend rausgehen und womöglich was fürs Leben mit auf den Weg nehmen. Da bin ich strikter Antidigitalist, Befürworter des analogen Live-Erlebnisses anstelle von Youtube, Twitter und Facebook, wo alles durch virtuelle Brillen gefiltert wird. Ich bin ein Entertainer aus Fleisch und Blut.

Was es angesichts Ihrer Art des Auftritts noch besser träfe, wäre Conférencier.
Wenn man die französische Übersetzung von Moderator als Mittler zwischen verschiedenen Menschen, Attitüden, Humorebenen versteht, finde ich den Begriff toll. Gefällt mir, danke. Nennen Sie mich Lach-Conférencier.

«Pufpaffs Happy Hour», wo sie seit 2013 auf 3sat verschiedene Humorebenen verschiedener Menschen präsentieren, müsste so gesehen ihr ureigenes Biotop sein.
Absolut, die Happy Hour hat für mich nichts mit Arbeit zu tun. Das ist eher schon ein Klassenausflug einander geneigter Personen, bei dem zufällig 450 Leute im Saal dabei sind. Die übrigens alle nichts bezahlen, weil die Karten kostenlos sind.

Ernsthaft?
Ernsthaft! In dieser Ausgabe kommen Josef Hader, Rainald Grebe und René Marik. Wo sonst kriegt man derlei Schwergewichte der Unterhaltung gepaart mit spannenden Newcomern für umme? Und das auch noch ohne jeden Druck von 3sat; ich glaube, dass Wort «Quote» fiel bislang noch in keiner Redaktionskonferenz.

Warum auch - sie ist ohnehin kaum messbar.
Moment! Wir sind mittlerweile bei 650 000 Zuschauern angekommen, was als Parallelangebot zu «Tatort», Pro7-Blockbuster und Rosamunde Pilcher nicht schlecht ist. Unsere Künstler sind offenbar nicht nur authentisch, sondern auch sehenswert.

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