Von Katharina Dockhorn

Kabarettisten ohne Sinn für Kritik sollten den Beruf wechseln

Josef Hader über seinen Film »Wilde Maus«, Satire über Donald Trump und »Die Anstalt«

Kabarettist Josef Hader
Kabarettist Josef Hader

Kabarettist Josef Hader erobert als Simon Brenner in den Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas die Leinwand. Auf der Berlinale feierte »Wilde Maus«, das Regiedebüt des 55-jährigen Österreichers, Premiere. Hader spielt selbst den Musikkritiker Georg, der von seinem Verleger auf die Straße gesetzt wird. Der Geschasste wehrt sich mit Übergriffen auf dessen Hab und Gut, gleichzeitig versucht er einen Neuanfang mit der Achterbahn »Wiener Maus« im Prater.

Herr Hader, sind Sie rachsüchtig?
Ich bin schnell beleidigt und nachtragend, aber nicht rachsüchtig.

Wurden Sie selbst Opfer von Rachefeldzügen?
Es musste mich in einige kleine Scharmützel stürzen, die aber nie ausarteten.

Dann haben Sie kein Problem mit Kritikern?
Wer als Kabarettist Probleme mit Kritikern hat, sollte den Beruf wechseln. Ich habe einen Journalisten ins Zentrum gestellt, weil der Berufsstand gefährdet ist, und dies zur persönlichen Tragödie eines Mannes passte, der seine geliebte Arbeit verliert und seiner Frau die Wahrheit verschweigt. Ich suche das Politische ja stets im Privaten, darüber will ich das Gen aufspüren, warum so viel in der Gesellschaft falsch läuft.

Warum laufen im Hintergrund Nachrichten über die Ankunft der Flüchtlinge?
In einer guten Tragikkomödie können politische Ereignisse anklingen, in einer Satire über das satte Bürgertum, an dem die Nachrichten über das Elend der Welt nur im Hintergrund vorbeirauschen, ist dies ein Muss. Ich habe die Sendungen jedoch vorsichtig dosiert. Wenn sie zu stark in den Vordergrund rücken, wirkt es schnell gewollt oder aufgesetzt.

Warum wählen Sie den Prater als Zufluchtsort des Entlassenen?
Wohin schickt man einen Redakteur für klassische Musik? An den Ort, wo die scheußlichste Musik in Wien läuft. Der Rhythmus des Films wurde von den Kontrasten und der Lautstärke der Geräusche bestimmt, der tickenden Uhr, dem lauten Prater und der Stille der winterlichen Schneelandschaft.

Fahren Sie denn selbst gerne Achterbahn?
Ich musste früher mit meinen Kindern fahren. Heute hält mein Magen den Druck eigentlich nicht aus. Als Schauspieler habe ich die Angst vor der Übelkeit verdrängt.

Stellen Sie mit dem Film auch der eigenen Angst vor Misserfolg und Karriereende?
Erfolg bedeutet für mich, dass ich gut arbeiten kann. Als Kabarettist habe ich mir einen Namen gemacht, was zu einer gewissen Leichtigkeit beiträgt. Beim Film war es anders. Wenn ich ihn vergurkt hätte, wäre es mein Letzter gewesen.

Warum wollten Sie unbedingt Regie führen?
Das war ein logischer Schritt. Ich wollte die Geschichte erzählen, die ich mir ausgedacht hatte, und derjenige sein, der den Schnitt und das Tempo bestimmt. Die Produzenten haben mit diese Freiheit gegeben. Als Regisseur hatte ich das letzte Wort. Auch das Fernsehen darf in Österreich nur das Geld geben und sich nicht einmischen.

Warum danken Sie im Abspann Helmut Dietl?
Wir haben gemeinsam ein Projekt entworfen, bei dem er Regie führen wollte. Dann ist er krank geworden, wir sind fortan oft spazieren gegangen und haben über das Leben geredet. Das waren wunderbare Stunden. Er hat auch das Drehbuch für diesen Film gelesen und mich bestärkt, Regie zu führen.

Wie geht es bei Ihnen weiter?
Im Frühjahr gönne ich mir eine Atempause, anschließend gehe ich ein neues Drehbuch oder Kabarettprogramm an. Außerdem will ich mit Wolfgang Murnberger über weitere Brenner-Krimis reden. Beim letzten Film haben wir den Brenner in eine Sackgasse geschickt. Die spannende Frage ist nun, wie er da rauskommt. Wenn uns nichts überzeugendes einfällt, ist die Reihe für mich abgeschlossen.

Ärgern Sie sich, dass Sie nicht mit einem aktuellen Programm auf Trump reagieren können?
Trump vor einem Publikum lächerlich zu machen, das ihn nicht mag, ist leer und populistisch. Zumal er nicht der erste Politiker mit narzisstischen Zügen ist. Das schimmert bei Schröders Auftritt nach seiner Wahlniederlage ebenso wie bei Putin durch. Intelligentes politisches Kabarett dagegen, wie es zum Beispiel »Die Anstalt« zelebriert, kann viel bewirken.

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