Von Kurt Stenger

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DAX-Konzerne schütten Rekordsumme an Aktionäre aus - und legen sich ein Finanzpolster für härtere Zeiten an

Können Aktionär in diesem Jahr a...
Können Aktionär in diesem Jahr als erledigt abhaken.

Die Aktionäre der Deutschen Bank bekommen ganz überraschend doch wieder eine Dividende: Trotz eines erneuten Milliardenverlusts sollen sie für 2016 je Aktie 19 Cent erhalten. So zumindest hat es der Vorstand für die Hauptversammlung im Mai vorgeschlagen, auf der die Entscheidung fallen wird. Auf rund 400 Millionen Euro würde sich die Gesamtausschüttung belaufen. Das ist bei hohen Verlusten unüblich, aber die Bank will sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld besorgen und befürchtet, die neuen Aktien sonst nicht an den Mann bringen zu können.

Die meisten der 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex (DAX) können indes aus dem Vollen schöpfen und sind daher auch spendabler als das Frankfurter Bankhaus gegenüber den Anteilseignern: Auf 31,7 Milliarden Euro taxiert die Unternehmensberatung EY nach Durchsicht der Geschäftsberichte die gesamten Dividendenzahlungen für 2016 - ein neuer Rekord. Besonders spendierfreudig waren der Autokonzern Daimler und der Versicherungsriese Allianz, die jeweils 3,5 Milliarden Euro unters Aktionärsvolk bringen. Beide waren gleichzeitig die DAX-Unternehmen mit den höchsten Gewinnen.

Ausschüttungen sind nämlich eigentlich Spiegelbild der Geschäftslage. Und im Großen und Ganzen lief es für die größten börsennotierten Unternehmen sehr gut, lässt man die Banken und die Energiekonzerne beiseite. Der operative Gesamtgewinn schnellte von 91,5 Milliarden auf 114,2 Milliarden Euro hoch - genauso ein Rekord wie der aber nur leicht gestiegene Gesamtumsatz von 1,26 Billionen Euro. Dabei sind die Gewinne noch erheblich stärker gestiegen als die Dividenden. Die Ausschüttungsquote, also der Anteil der Aktionärszahlungen am Nachsteuergewinn, sank von 59,4 auf 55,9 Prozent.

Die Konzerne nutzten die hohen Überschüsse eben auch, um ihre liquiden Mittel zu erhöhen. Ende 2016 lagen diese bei rund 90,8 Milliarden Euro. Und auch für Forschung und Entwicklung wurden um die vier Prozent mehr ausgegeben: 37,9 Milliarden Euro. Auch wurde die Mitarbeiterzahl um zwei Prozent auf 3,87 Millionen aufgestockt. Gleichzeitig nutzten die Konzerne die Niedrigzinsphase, um sich günstig mit Krediten einzudecken: Die Gesamtverschuldung allein der 24 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im DAX erhöhte sich 2016 auf die - auch hier - Rekordsumme von 613 Milliarden Euro. Dieses Geld wird natürlich nicht vorrangig gehortet, sondern größtenteils ausgegeben: für Sachinvestitionen (etwa den Umbau von Geschäftsmodellen im Rahmen der Digitalisierung), den Rückkauf eigener Aktien (um an der Börse noch interessanter zu werden) und auch für Anteilskäufe oder Übernahmen - allein Bayer muss für den US-Saatguthersteller Monsanto rund 66 Milliarden Dollar berappen.

»Erhebliche Zukunftsinvestitionen müssen finanziert werden«, meint Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. »Zu hohe Ausschüttungen könnten die Handlungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Unternehmen einschränken - und angesichts der hochvolatilen Märkte, einer ungewissen Konjunkturentwicklung und gestiegener weltweiter politischer Risiken sind die Unternehmen gut beraten, ausreichend liquide Mittel vorzuhalten.« Hauptrisiko, auch wenn das so nicht explizit gesagt wird, dürfte für die exportlastige deutsche Industrie die künftige Außenhandelspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump sein.

Gleichwohl müssen die Konzerne auch ihre Aktionäre bei Laune halten - geringe Dividenden könnten von diesen als Warnhinweis verstanden werden. Gerade in der andauernden Niedrigzinsphase, heißt es bei EY, setzt man auf einen hohen Rückfluss aus den häufig mittel- bis langfristigen Aktieninvestitionen: Erneut bestätige sich der »Trend, dass Dividenden die neuen Zinsen sind«.

Ohnehin dürfte es in Deutschland konjunkturell einigermaßen gut weitergehen, darin sind sich die Volkswirte einig. Auch international dürften die Geschäfte gut laufen, zumal der schwache Euro den Exporten kräftigen Rückenwind beschert. Die Wetteraussichten der EY-Experten lauten deshalb: weiter steigende Dividenden.

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