Von Hermannus Pfeiffer

Der letzte »Gierbanker« steht vor Gericht

Früherer HRE-Boss Georg Funke sieht sich als Opfer der Politik

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Georg Funke könnte als Inbegriff einer »Niete in Nadelstreifen« in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Der Frührentner hat den beispiellosen Niedergang der Hypo Real Estate (HRE) mit zu verantworten, für den der Steuerzahler immer noch mit Milliarden haftet. Wegen seiner fristlosen Kündigung verklagte er die HRE auf Lohnfortzahlung: 3,5 Millionen Euro plus anschließender Pension von über 500 000 Euro im Jahr. Funke, der sich vor seiner Bankerkarriere mit Bergbauwohnungen im Ruhrgebiet beschäftigt hatte, handelt heute als Makler auf Mallorca mit Immobilien.

Der 61-jährige hatte seit dem Jahr 2000 das Immobiliengeschäft der Hypo-Vereinsbank zu verantworten. Deren gewerblichen Immobiliengeschäfte wurden später als HRE ausgegliedert und gingen an die Börse. Funke wurde Vorstandsvorsitzender bis zu seiner Entlassung im Oktober 2008 und baute das internationale Geschäft aus. So erwarb die HRE für 5,7 Milliarden Euro die traditionsreiche Deutsche Pfandbriefanstalt (Depfa), die aus steuerlichen Gründen zuvor nach Irland ausgewandert war. Eine Schieflage der Depfa löste dann die Krise der HRE aus.

An sich sind Immobiliengeschäfte sichere und leicht zu kalkulierende Geschäfte. Spekulativ und riskant wurden sie erst durch Manager wie Funke, die langfristige teure Immobiliengeschäfte mit kurzfristigen preiswerten Geldgeschäften finanzierten. Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers brach dieses Kartenhaus endgültig in sich zusammen.

Nur mit einer Rekordgarantie und Beihilfen von 102 Milliarden Euro, das meiste davon vom Staat, überstand der im DAX notierte Konzern zunächst die Krise. Bald erweist sich die HRE jedoch als unrettbar und es kam im Januar 2009 zur umstrittenen Verstaatlichung. Es folgen weitere Finanzspritzen von insgesamt rund 40 Milliarden Euro. Einer der Kritikpunkte: Die schwarz-rote Bundesregierung habe solange gewartet, bis eine mögliche Haftung der HRE-Alteigentümerin, der Hypo-Vereinsbank, ausgeschlossen gewesen sei. Es folgte die Aufspaltung der HRE in eine Bad-Bank - die faule Wertpapiere in dreistelliger Milliardenhöhe übernahm - und ein kleines Nachfolgeinstitut, das bis heute aktiv ist.

Wie teuer die HRE den Steuerzahler wirklich zu stehen kommen wird, darüber lässt die Bundesregierung selbigen im Unklaren. Die bisherigen Rettungsaktionen könnten laut verschiedenen Medienberichten etwa 20 Milliarden Euro gekostet haben. Seit 2012 macht die Bad-Bank einen überschaubaren Gewinn. Doch in der letzten Veröffentlichung wies die Abwicklungsanstalt noch einen Bestand an Wertpapieren von über 90 Milliarden Euro aus.

Fast neun Jahre nach der Pleite will die Wirtschaftskammer am Landgericht Münche - bekannt wurde sie durch die Verurteilung des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß - nun die Schuldfrage klären. Funke und sein früherer Finanzvorstand sollen die kritische Lage der Bank in der Konzernbilanz 2007 und der Halbjahresbilanz 2008 zu rosig dargestellt haben und dadurch die Aktionäre getäuscht haben. Das Handelsgesetzbuch sieht dafür eine Strafe von bis zu drei Jahren Haft vor.

Gegen sechs Vorstandskollegen von Funke hat das Landgericht bereits das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage zwischen 30 000 und 80 000 Euro eingestellt. Funke hofft auf einen Freispruch. Er sieht sich als Opfer größerer Machenschaften, für die er den damaligen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und den Ex-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, verantwortlich macht. In einem Bundestagsuntersuchungsausschuss widersprachen sie allerdings bereits Funkes Verschwörungstheorien.

Die Liste der Banker, die mit riskanten Geschäften den Steuerzahler viel Geld gekostet haben und vor Gericht straffrei ausgingen, ist lang. Vorsätzliche Untreue, dass sie also die Bank mit Absicht und zum eigenen Vorteil in das Desaster trieben, ist vor Gericht kaum nachweisbar. Schuld ist auch eine Gesetzeslücke: Für grobes Versagen sind Vorstände nicht persönlich haftbar.

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