Skandal um Gammelfleisch in Brasilien

Präsident bemüht sich um Schadensbegrenzung

Brasilia. Im Gammelfleischskandal um den weltgrößten Fleischexporteur Brasiliens ist die Regierung um Schadensbegrenzung bemüht. Die Vorwürfe um verdorbenes Fleisch und gefälschte Zertifikate beträfen nur »sehr wenige Betriebe«, sagte Präsident Michel Temer am Sonntag. Er lud eine Reihe von Botschaftern zum Steak-Essen ein.

Der Skandal habe zwar »große Besorgnis« ausgelöst, so Temer, doch Brasiliens Inspektionssystem sei »eines der respektiertesten« der Welt. Zudem werde von 11 000 Angestellten der Fleischindustrie »nur gegen 33 ermittelt«. Nur 21 von 4837 Kühlhäusern würden Unregelmäßigkeiten vorgeworfen. Temer hatte bereits Treffen mit Vertretern der Landwirtschaft und Ministern abgehalten.

Die Affäre war am Freitag nach zweijährigen Ermittlungen publik geworden. Dutzende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen bestochen worden sein, um den Verkauf verdorbenen Fleisches zuzulassen. Mindestens 30 Menschen wurden festgenommen, drei Betriebe mussten schließen. Brasilien exportiert Fleisch in 150 Länder, darunter Saudi-Arabien, China, Japan, Russland und Italien. In Deutschland wurden 2017 gut 114 282 Tonnen Fleisch aus Brasilien eingeführt.

Von 33 Botschaftern nahmen 19 die Einladung zum Abendessen an. Der EU-Botschafter in Brasilien, João Cravinho, twitterte am Sonntag, er fordere eine »umfassende, dringende Aufklärung« der Vorwürfe. Der Skandal könnte nicht nur Brasiliens angeschlagene Wirtschaft schädigen, sondern droht auch die Handelsbeziehungen zur EU und zu den USA zu belasten. Brasilien und andere Mercosur-Länder werben derzeit für ein Handelsabkommen mit der EU.

Details zu den verdorbenen Produkten gaben die Behörden bislang nicht heraus. Es sollen in einigen Fällen krebserregende Stoffe beigemischt worden sein, um den Geruch verdorbenen Fleisches zu überdecken. Für Verunsicherung sorgten zudem Berichte, dass einigen Hühnerfleischprodukten Pappe beigemischt wurde.

Das wies der von den Ermittlungen betroffene Großkonzern BRF zurück. Es habe ein »Missverständnis« bei Audioaufnahmen der Polizei gegeben. AFP/nd

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