Rückkehr nach Mündendorf

Martin Becker erkundet das Arbeitermilieu, dem er entstammt

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Unter Tage duzt man einander. Auf dem »Pütt«, wie es am Rande des Ruhrgebiets heißt, sind alle Grubenarbeiter gleich. Ein junger Mann jedoch ist bei seinem ersten Besuch im Schacht leicht als Bergfremder zu erkennen. Darum siezen ihn auf Anhieb fast alle. Unbeholfen stapft er in seinen Kauenlatschen umher, nicht wissend, was an seinem Leib er wie herum anziehen muss und worin in dieser Tiefe der Unterschied besteht zwischen Wind und Wetter. Er erlebt hier, was ihm einige Jahre zuvor schon an der Universität geschah: Unter all den in diesem Milieu kulturell Gewandten fühlt er sich exotisch, ahnungslos, unverstanden.

Was Martin Becker in seinem Roman »Marschmusik« auf diese Weise beschreibt, ist die Geschichte des Sich-Zurechtfindens, die nach einem sogenannten sozialen Aufstieg niemals abgeschlossen sein kann. Sein namenloser Ich-Erzähler hat studiert, lebt in der Großstadt, kennt die Feuilletondebatten, arbeitet beim Radio. Trotzd...


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