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Für Menschen und Gänse

Die Heilpflanze des Jahres 2017 hilft bei typischen Frühjahrsbeschwerden

  • Von Anke Nussbücker
  • Lesedauer: 4 Min.

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Bei milder Witterung fängt die Heilpflanze des Jahres 2017, das »Gänseblümchen«, vielerorts bereits im März an zu blühen. Gegen einige Beschwerden und Symptome, welche typischerweise im Frühjahr auftreten, können die frischen Blüten oder ein Tee, eine Tinktur oder ein Öl-Auszug angewendet werden und Linderung verschaffen.

Sein wissenschaftlicher Name »Bellis perennis« leitet sich von den lateinischen Begriffen »bellus« (schön, niedlich) und »perennis« (ausdauernd) ab. Dies mit Recht, schließlich zeigen sich die weißen, bisweilen rot angehauchten Strahlenblüten, die sich kreisförmig um die gelben »Augen« anordnen, bis in den November hinein.

Das Allermonatsblümchen, Tausendschönchen, Augenblümchen oder Maßliebchen, wie die »ausdauernde Schöne« auch genannt wird, gehört zur Familie der Korbblütler. Das Gänseblümchen ist mit vielen traditionellen Volksheilmitteln verwandt, wie zum Beispiel Arnika, Ringelblume, Schafgarbe, Löwenzahn und Kamille. Es vereint die beruhigende und antimikrobielle Wirkung ähnlich der Kamille mit der schmerzlindernden, entzündungshemmenden Kraft ähnlich von Arnika. So hilft eine äußerliche Einreibung mit einer Tinktur oder Salbe vom Gänseblümchen möglicherweise besonders dann, wenn aufgrund von Gelenkschmerzen der Schlaf gestört ist. Dabei entfalten Präparate mit Gänseblümchen einen angenehm milden, aromatisch blumigen Duft.

Verantwortlich für die positive Wirkung auf die Gesundheit sind Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Saponine, ätherische Öle, Fruchtsäuren und Gerbstoffe. Aber auch Vitamin C ist in den frischen Blüten enthalten, und zwar siebenmal mehr als in Kopfsalat. In Kombination mit den essbaren Blüten helfen Blattsalate doppelt so effektiv dabei, die Abbauprodukte schwerer Wintermahlzeiten auszuscheiden.

Bevor das Gänseblümchen wegen angeblicher Nutzung als Abtreibungsmittel im 18. Jahrhundert verboten und beinahe ausgerottet wurde, hatte ein Heilkundiger aus dem Mittelalter, Nikolaus Frauenlob, die Erfahrungen mit der Heilpflanze dokumentiert: »Allermaneyd plue (Allermonatsblümchen) zusammen mit Lactuca (Kopfsalat) gegessen« sind »wirksam gegen viele Erkrankungen«. Zu den elf Tugenden, die Frauenlob dem Gänseblümchen zuschrieb, gehörte auch die Wirkung verschiedener Zubereitungen als Salbe gegen schuppige Haut, gegen »Sprinczel« (Sommersprossen) und »swarcz makel an dem antlitz«. Mit letzterem meinte er wahrscheinlich Altersflecken auf der Haut. Bei »verruckten glidern« (Verrenkungen) empfahl er das äußerliche Auflegen einer heißen Kompresse, die man herstellt, indem man ein Leinsäckchen mit der Heilpflanze füllt und in heißem Wasser tränkt. Die Wurzel des Gänseblümchens »zeucht dy zebrochen pain herauss«.

Heute weiß man: In Blattsalaten kommt das wichtige Vitamin Folsäure vor. Der Wortstamm »Folium«, von dem sich der Name dieses Vitamins ableitet, kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Blatt. Folsäure wird auch dafür benötigt, um im Blut vorkommendes Homocystein abzubauen. Homocystein ist wiederum eine Aminosäure, die sich besonders nach der oft proteinreichen Ernährung im Winter im Blut anreichert und das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. Folsäurereiche Blattsalate und Wildkräuter wie Giersch, Löwenzahn, Sauerampfer und Rauke schmecken im Frühjahr noch angenehm mild und können gefährlich hohe Homocysteinmengen im Blut wirksam abbauen.

Für das Gänseblümchen konnte in neueren Studien nachgewiesen werden, dass es einer Hyperlipidämie entgegenwirkt. Die Blüten können demnach den Blutfettspiegel als weiteren Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant absenken, was sich gewiss durch die Zubereitung mit guten Pflanzenölen von Leinsaat, Walnuss, Olive oder Raps noch weiter steigern lässt.

Neben der Anwendung bei Rheuma, Gicht und Frühjahrsmüdigkeit, wird außerdem die krampflösende Wirkung des Gänseblümchenelixiers bei einer stockenden Menstruation und zur Rückbildung nach Geburten geschätzt. Um eine unreine Haut und Akne zu klären, die sich manchmal mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühling verstärkt, kann eine äußerliche Abwaschung mit einem Gänseblümchentee hilfreich sein.

Bei allem Lob des Gänseblümchens ist jedoch zu bedenken, dass alle Pflanzenteile in einer Überdosis giftig wirken. Unbedenklich ist es, zehn bis zwanzig Blüten dieser Heilpflanze am späten Nachmittag von einer Wiese zu naschen, die dazu einlädt, um leichten Schwierigkeiten beim Einschlafen vorzubeugen. Nach einer kurmäßigen täglichen Anwendung als Tee oder Kaltwasserauszug sollte wie bei allen Heilkräutern nach sechs Wochen pausiert werden. Einerseits, um einer Anreicherung im Körper mit möglichen Giften vorzubeugen, andererseits um zu vermeiden, dass es nach längerer Gewöhnung seine Wirksamkeit als Heilmittel verliert.

In Essig eingelegt, dienen die Blüten als Kapernersatz. Auch freilebende Gänse wissen die frühblühenden Gänseblümchen als Leckerbissen zu schätzen. Um im eigenen Garten eine Gänseblümchenwiese zu erhalten, werden Exemplare, die gerade zu welken beginnen, mit Stiel gepflückt und auf den frisch gemähten Rasen gestreut. Hohe Gräser würden die Heilpflanze mit niedriger Wuchshöhe verdrängen. Daher braucht das lichtliebende (heliotrope) Pflänzchen mit der grundständigen Blattrosette einen regelmäßigen Rasenschnitt und einen nährstoffreichen, gut mit Wasser versorgten Boden sowie einen sonnigen Standort.

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