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Ebbe im Auftragsbuch

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Strafzölle, mit denen US-Präsident Donald Trump droht, lassen die deutschen Werften kalt. »Mehr als den Markt vom Ausland komplett abzuschotten, geht kaum«, meint Reinhard Lüken, Geschäftsführer des Schiffbauverbandes VSM. Der »Jones Act« schreibt schon seit 1920 amerikanischen Reedern vor, ihre Schiffe in den USA bauen zu lassen.

Ohnehin ist für die deutschen Schiffbauer nur schwer vorstellbar, dass die Nachfrage weiter abnimmt. Auch sie hat die seit über acht Jahren andauernde globale Schifffahrtskrise hart getroffen. Das Grundproblem: Es sind zu viele Frachter auf den Meeren unterwegs. Die Krise begann bei den Reedern, hat aber längst die Schiffbauer erreicht. Die Zahl der georderten Neubauten schrumpfte auf ein Zehntel. Weltweit wurden mehr als 500 Werften seit 2008 geschlossen, derzeit gibt es noch 350 Neubau-Werften, die meisten in Asien. In den 60 größeren deutschen Schiff- und Bootsbaubetrieben arbeiten rund 20 000 Menschen »direkt«. Weit größer ist die Zahl der Arbeiter von Fremdfirmen, die auf den Werften malochen, und der Leiharbeiter.

Die Antworten der deutschen Werften auf die Ebbe in den Auftragsbüchern sind vielfältig: Neue Eigentümer, neue Strategien und der Staat sollen es richten. Die dahindümpelnde Lloyd-Werft in Bremerhaven, bislang Spezialist für Reparaturen, setzt unter dem neuen malaysischen Eigentümer Genting auf »hochwertige« Neubauten. Zunächst aber sollen über 100 der 400 Jobs untergehen.

Der malaysische Konzern hat 2016 auch die angeschlagenen Werften in Rostock, Stralsund und Wismar übernommen - um Kreuzfahrtschiffe zu bauen. Doch mit Traumschiffen für Pauschalurlauber und riesigen Jachten für Milliardäre verdienen schon die Flaggschiffe des nordwestdeutschen Schiffbaus, Lürssen und Meyer, gutes Geld. Die Papenburger Meyer-Gruppe baut zudem auf der Neptun-Werft in Rostock erfolgreich Flusskreuzfahrtschiffe. Ob die ostdeutschen Genting-Werften auf dem heiß umkämpften Markt mithalten können, bezweifeln Beobachter.

Die Beschäftigten der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft verzichten seit Ende 2016 auf einen Teil ihres Lohnes. Trotzdem wird der norwegische Eigentümer rund 100 der 800 Jobs streichen. Dies ist Teil eines Sanierungsplans, der die Finanzierung des Baus von vier neuen Autofrachtern ermöglichen soll. Schleswig-Holstein übernimmt eine Landesbürgschaft in zweistelliger Millionenhöhe.

Direkt vom Staat kommt der rettende Großauftrag für Sietas in Hamburg - die älteste deutsche Werft gehört einem russischen Unternehmer. Noch als die Elbvertiefung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig festhing, bestellte die Bundeswasserstraßendirektion ein Baggerschiff für 95 Millionen Euro.

»Die Talsohle«, hofft Lüken, »dürfte erreicht sein.« Auch dank der milliardenschweren Entscheidung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), sechs Mehrzweckkampfschiffe vom Typ »MKS 180« zu bestellen, und des Parlamentsbeschlusses, Gelder für fünf weitere Korvetten bereitzustellen. Davon würde die Marinesparte von ThyssenKrupp profitieren - und Blohm+Voss.

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