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Eingriff in die Freizeit der Beschäftigten

Tarifrunde in Dänemark brachte moderate Lohnerhöhungen und der Arbeitgeberseite mehr Flexibilität

  • Von Andreas Knudsen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Seit dem Beginn der 1980er Jahre erlebte die dänische Wirtschaft nur kleine jährliche Lohnsteigerungen, die von der Inflation so schnell aufgefressen wurden, wie sie vereinbart worden waren. Das Mantra zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden war, nur Vereinbarungen abzuschließen, die hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der dänischen Wirtschaft als nationalökonomisch tragbar galten. Die aktuellen Abschlüsse - gültig 2017 bis 2019 - bilden hier keine Ausnahme. Wie immer war der tonangebende Industriebereich der erste, in dem ein Abschluss erreicht wurde. An ihm orientierte sich andere Sparten wie Handel, Büro, Transport und Baugewerbe.

Zwei Prozent Gehaltszuwachs dürften bei einem gelernten Industriearbeiter im Durchschnitt umgerechnet als Plus von rund 250 Euro netto jährlich auf dem Lohnkonto zu Buche schlagen. Gleichfalls erhöht, wenn auch nur leicht, wurden die Stundenlöhne für Lehrlinge sowie die Zuschläge für Nachtarbeit und Erschwernisse. Mit nicht zu übersehendem Stolz verwiesen beide Verhandlungspartner darauf, dass die Abschlüsse unter denen der wichtigsten Exportländer Deutschland und Schweden liegen.

Für die Arbeitgeberseite war es in diesem Zusammenhang das wichtigste, sich eine erhöhte Flexibilität bei der jährlichen Stundenarbeitszeit zu sichern. Sie erwarten nämlich, dass der gegenwärtige Aufschwung anhält und in bestimmten Monaten erhöhte Produktion fordert. Um diese steigende Nachfrage zu befriedigen, können Arbeitgeber jetzt »systematische Überstunden« ankündigen, das heißt, eine Stunde täglich zur 37-Stunden-Arbeitswoche hinzufügen. Diese Stunden werden als Überstunden bezahlt und später abgebummelt, wenn es in die Produktionspläne passt. Dieser Passus hat eine Reihe ablehnender Kommentare auf gewerkschaftlichen Homepages und Blogs hervorgerufen, da er als uneingeschränkter Arbeitgebervorteil und Eingriff in die Freizeit der Beschäftigten angesehen wird.

Besser aufgenommen von den Arbeitnehmern wurden Vereinbarungen, die im weichen, im sozialen Gebiet liegen. So wurde vereinbart, dass die Einzahlungen der Arbeitgeber in das sogenannte Freiwahlkonto von zwei auf vier Prozent erhöht werden. Dieses Konto wurde vor einigen Jahren eingeführt, um zu hohe Lohnsteigerungen zu vermeiden, aber gleichzeitig Arbeitnehmern einen Vorteil zu bieten. Jeder Arbeitnehmer mit Tarifvereinbarung verfügt über ein solches Konto und kann im März jedes Jahres wählen, ob der Betrag für freie Tage, Ausbildung oder Einzahlung in die betriebliche Altersversorgung benutzt werden soll.

Über diese branchenübergreifenden Verbesserungen hinaus wurden in einzelnen Branchen weitere Vorteile für die Arbeitnehmer verhandelt. Im Kontorbereich (private Verwaltungskräfte wie Sekretärinnen und Bürofachkräfte) wird beispielsweise künftig während des Mutterschaftsurlaubs volles Gehalt gezahlt. In anderen Branchen wurde die Stellung der Vertrauensleute verbessert. Ungelernte werden nun bessere Möglichkeiten zur Aufnahme einer Facharbeiterausbildung haben - ein wichtiger Beitrag für ihre künftigen Beschäftigungschancen.

Im Transportbereich und Baugewerbe wurden die Einsichtsmöglichkeiten verbessert, das heißt, Gewerkschaften erhalten Informationen darüber, wer im jeweiligen Betrieb arbeitet. Außerdem müssen künftig alle Unternehmen mit Tarifvereinbarung die Firmennamen ihrer Unterlieferanten an die Gewerkschaft melden, falls es Verdacht auf soziales Dumping gibt. Gerade im Transport und Bau werden viele Ausländer, insbesondere Osteuropäer, beschäftigt, die weit unter Tarif bezahlt werden und übermäßig viele Stunden arbeiten. Ziel der Gewerkschaften wird es nun sein, mit diesen Subunternehmen Tarifvereinbarungen abzuschließen, um diese Praxis zu stoppen. Darüber hinaus verpflichtete sich die Arbeitgeberseite, Unterlieferanten besser und genauer über Arbeitsmarktverhältnisse in Dänemark zu informieren, damit Verträge von vorne herein den Tarifbestimmungen entsprechen und Konflikten vorgebeugt wird. Dieser Punkt war am schwierigsten zu verhandeln.

Die Tarifvereinbarungen müssen in der ersten Aprilhälfte noch in Urabstimmungen von den Gewerkschaftsmitgliedern und den Arbeitgeberorganisationen bestätigt werden.

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