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Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.

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Früher und in einer kleineren Stadt war die Sache überschaubar: Es gab eine, die am Tresen der Stammkneipe unentwegt »Fotze, Fotze, Fotze« vor sich hin zischte, angeblich, weil sie für eine Theateraufführung probte. Eine andere lief täglich durch die Bahnhofstraße und verbreitete in kräftigem Mezzosopran christlich-dadaistische Botschaften. Das waren unsere Verrückten - mit denen man sich übrigens zumindest zeitweise ganz normal unterhalten konnte. Auf Nachfrage hätten wir ohnehin jederzeit erklärt, dass der Übergang zwischen verrückt und normal fließend ist, weil der Kapitalismus im Allgemeinen und Arbeit im Speziellen jeden verrückt machen.

In Berlin gibt es ziemlich viele Verrückte, jeder hat so seine, und die anderen trifft man unverhofft. Als deutlicher Hinweis auf eine Funktionsstörung im Oberstübchen galt auch hier zunächst, wenn jemand allzu ausgiebig in der Öffentlichkeit mit sich selbst sprach. Das hilft heutzutage nicht mehr weiter, da sich unzählige Leute Apparate in der Größe von Knäckebrotscheiben vor den Mund halten, als wollten sie reinbeißen, und dabei die ganze Zeit labern, zum Beispiel, dass sie gerade Knäckebrot einkaufen. Oder sie sprechen wie Zivilpolizisten in unsichtbare Mikrofone. Andere veranlasst der Blick aus dem Bus auf die Filiale einer Bioladenkette zu Hasstiraden, die mit »Biofraß« anfangen und mit »Schlampen« und »Ausländern« enden. Sowas scheint inzwischen normal zu sein.

Verrückt ist dagegen, da sind sich die meisten einig, der US-Präsident. Mindestens von ausgeprägtem Narzissmus sprechen die Experten bei Trump, gern auch von bösem Narzissmus oder gar einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Selbst die Goldwater-Regel, der Ethik-Kodex unter US-Psychologen, laut dem man eigentlich keine Ferndiagnosen stellt, wird in diesem Fall vernachlässigt, schließlich könnte Trump mit seinen Atomwaffen alle umbringen.

Während der quasi offiziell anerkannte Verrückte seine Gegner als Verräter, Schwächlinge und Vergewaltiger beschimpft, beschimpft sein bislang für zurechnungsfähig erachteter Kollege aus der Türkei seine Gegner als Volksverhetzer, Terroristen und Spione. Was dem einen der Terror in Schweden, sind dem anderen die Nazi-Methoden in Deutschland. Eine frühe Ferndiagnose des PARTEI-Abgeordneten im EU-Parlament, Martin Sonneborn - »der Irre vom Bosporus« - wurde seinerzeit gehörig missverstanden. Jetzt sitzen die türkischen Psychologen, die offene Briefe schreiben könnten, vermutlich schon im Knast.

So sind die Kategorien »normal« und »verrückt« jedenfalls ein weiteres Mal gründlich zu überdenken, und es ist dafür zu sorgen, dass besser die Politik machen, die unentwegt für Theateraufführungen proben.

Regina Stötzel

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