Die Naivität des Alters

In ihrer Erzählung »Die Kirschendiebin« lässt Helga Schütz zwei getrennte Liebende spät wieder zueinander finden

  • Von Christel Berger
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Das Buch endet mit einem biblischen und zugleich etwas komischen Bild: Ein altes Paar liegt friedlich schlafend nebeneinander in einem Gästebett. Er, ein Greis, mit vorgestreckten Turnschuhen. Die beiden sind die Seniorengäste einer römischen Villa, in der junge Kunststipendiaten mit einem Aufenthalt ebenda vom Länderfonds und vom Berliner Senat gefördert werden. Das Paar, nicht Philemon und Baucis, sondern Thomas Falkenhain und Melina Weiss. Ist es ein Fingerzeig, dass der Nachname des Mannes mit dem Namen des Geburtsorts der Autorin identisch ist? Und was hat Mela/Melina mit Dürers Holzschnitt »Melencolia«, über den Thomas schreibt, zu tun? Schwermütig sind die beiden Alten nicht gerade, aber ein bisschen wehmütig?

Sie haben sich nach einem halben Jahrhundert zufällig wieder getroffen und einander sofort erkannt. Thomas hatte jahrelang nicht an die Geliebte aus der Studentenzeit gedacht. Er hatte es ihr verübelt, dass sie »abgehauen« ...


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