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Ein Jahrhundertgeschenk

Halbzeit beim Einbau einer Riesenorgel in der Neubrandenburger Konzertkirche

Musiker schätzen den Klang in der Neubrandenburger Konzertkirche. Eine Orgel fehlte. Dank eines Spenders wird für zwei Millionen Euro eine »Königin der Instrumente« eingebaut. Im Juli ist Orgelweihe.

Von Winfried Wagner

In der Neubrandenburger Konzertkirche wird derzeit ein Jahrhundertgeschenk ausgepackt. Zwei weltweit führende Orgelbaufirmen - Schuke aus Berlin und Klais aus Bonn - bauen eine riesige »Königin der Instrumente« in das Backsteingebäude ein, das schon Caspar-David Friedrich malte. »Die Kirche hat einen ganz tollen Klang«, kann Bauleiter Ansgar Gaulke vom Berliner Orgelbauer sogar inzwischen sagen. Der 47-Jährige leitet seit Mitte Februar den Einbau des zwölf Meter hohen und acht Meter breiten Instruments, das ein Unternehmer der Stadt stiftet. »Ein Jahrhundertgeschenk« nennt es Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos).

Inzwischen ist Halbzeit beim Orgel-einbau. Anders als bei anderen Aufträgen können die Orgelbauer in Neubrandenburg nicht ihr gesamtes Material komplett auspacken und nach und nach montieren. »Die Kirche wird weiter als Konzertsaal genutzt, deshalb muss hier immer Ordnung herrschen und freitags alles Material und Werkzeug weggeräumt sein.« Andererseits haben Gaulke und seine Kollegen auch schon Probekonzerte mithören können, während sie an ihrer Orgel bauten.

Der weltweit agierende Unternehmer Günther Weber hat der Stadt das Ganze »eingebrockt«. Der Gründer des Schneidemaschinenherstellers Weber Maschinenbau GmbH (Neubrandenburg/Breidenbach) stiftet zwei Millionen Euro, mit denen die Orgelbauer das Instrument mit mehr als 2800 Pfeifen und 70 Registern entwerfen, bauen und montieren. Die Bonner haben bereits die Orgel für die Hamburger Elbphilharmonie gebaut.

»Die Register sind die Stimmen der Orgel«, erläutert Gaulke und zeigt auf die Technik abseits der bereits installierten Zinnpfeifen. Manche Pfeifen klingen deshalb wie Flöten, andere wie Geigen oder wie Trompeten. »Jede Orgel ist ein Einzelstück, das außerdem klanglich genau auf den Konzertraum abgestimmt wird«, erläutert der Fachmann. Wer jetzt die Konzertkirche betritt, sieht von vorn eine komplett erscheinende Orgel. »Das täuscht aber, es sind erst etwa zehn Prozent der Pfeifen drin«, sagt Gaulke. Das seien die Größten, die bis zu 7,50 Meter lang sind und später nicht mehr so einfach einzubauen wären. Eine Pfeife kann bis zu 200 Kilogramm schwer sein, weshalb man sogar einen kleinen Kran in der Kirche installiert hat.

Der Mäzen, der im Juli 70 Jahre alt wird, kommt regelmäßig, um den Fortgang der Arbeiten zu sehen. »Ich bin stolz und sehr froh, dass das Projekt Wirklichkeit wird«, sagte Weber bei der Vorstellung der Pläne, der die Stadtvertreter auch zustimmten. Die Kirche war nach 1945 über Jahrzehnte eine Ruine, wurde schließlich saniert und seit dem Jahr 2000 als Konzertkirche genutzt. Der Stadt fehlte aber das Geld für eine Orgel. »Das ist für Orgelbauer ein Wunschtraum«, wertet Philipp Klais von der Bonner Orgelbaufirma das gemeinsame Vorhaben.

Wie bei der Elbphilharmonie soll auch in Neubrandenburg die lettische Orgelvirtuosin Iveta Apkalna das Eröffnungskonzert spielen. Weber hatte die Lettin bei einem Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern musizieren gehört und sich danach die Schenkung überlegt.

Inzwischen haben Gaulke und seine Kollegen das Instrument aus Eschenholz, das 20 Tonnen Gewicht hat, fast ganz installiert. Nach Ostern kommen je zwei Fachleute beider Firmen, die die restlichen vielen Pfeifen einbauen und die Orgel »intonieren«. Dafür sind mehrere Wochen geplant. Apkalna, die schon Auszeichnungen wie den Echo-Klassik gewonnen hat, wird am 13. Juli wegen der enormen Nachfrage gleich zwei Eröffnungskonzerte spielen. dpa/nd

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