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Zingst klagt gegen »Fernsehtürme«

Bau von Windpark Gennacker wird vor Gericht entschieden

Zingst. Der Streit um den geplanten Windpark Gennacker 15 Kilometer vor der Küste der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst wird vor Gericht ausgetragen. Gegen das Landesraumentwicklungsprogramm sind beim Oberverwaltungsgericht Greifswald drei Klagen eingegangen, zwei vom Ostseeheilbad Zingst und eine von der Kur- und Tourist GmbH Zingst. Die anderen Gemeinden auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst werden bis auf das zu weit entfernte Dierhagen der Klage beitreten, sagten Prerows Bürgermeister René Roloff (parteilos) und Gerd Scharmberg (FDP) aus Born. In direkter Nachbarschaft des seit 2011 bestehenden Windpark Baltic 1 sollen den Planungen zufolge 103 bis zu 175 Meter hohe Windräder gebaut werden. Für Dienstag hat das Windenergie Netzwerk MV zu einem Parlamentarischen Abend im Schweriner Schloss eingeladen.

Die Darß-Gemeinden führen mehrere Argumente auf. Roloff sieht die Hauptbedrohung in Schiffsunfällen. Dabei müsse ein Schiff gar nicht mit einer Windkraftanlage kollidieren, sagte er. »Es reicht doch, wenn vor dem Park in der Kadetrinne zwei Schiffe zusammenstoßen und Öl ausläuft. Wenn das Öl durch den Windpark in Richtung Küste läuft, kann es wegen der Windräder kaum geborgen werden.« Dieses Szenario fehle in der bisherigen Risikobewertung. Öl am Strand würde die gesamte Tourismuswirtschaft massiv schädigen.

Der Zingster Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU) hat bei der Klage ebenfalls den boomenden Tourismus im Blick. Es sei nicht vorstellbar, dass die Gäste den Blick auf den Horizont genießen können, wenn in Sichtweite mehr als 100 »Fernsehtürme« stehen. Die Baltic-1-Anlagen sind nur rund 100 Meter hoch - und nicht 175 Meter wie bei Gennacker, betont er. Deshalb sei die Argumentation, dass Baltic 1 die Touristen nicht abgeschreckt habe und daher von Gennacker keine Bedrohung ausgehe, nicht korrekt. Scharmberg verwies wie alle anderen Bürgermeister auf die frühere Zusage der Landesregierung, dass es bei Baltic 1 als einzigem Windpark vor der Küste von Fischland-Darß-Zingst bleiben werde. »Man hat uns gesagt, das sei ein Testgelände mit 21 Anlagen und mehr wird es nicht. Und jetzt werden unmittelbar daneben 103 Windräder hingestellt. Die bilden einen fast 20 Kilometer breiten Riegel.« Dazu kämen auch noch zwei riesige Umspannplattform mit einer Höhe von knapp 50 Metern. »Das sind zwei Hochhäuser, die da hingestellt werden.« Es sei das erste Mal, dass sich die Gemeinden auf der Halbinsel zusammenschließen und gemeinsam gegen ein Projekt vorgehen.

Auch die Umweltverbände WWF und BUND sehen die Planungen aus Naturschutzgründen äußerst kritisch. »Ich begrüße, dass die Gemeinden klagen«, betonte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. »Die Umweltargumente sind heruntergewogen worden.« Der Vogelzug sei in den Planungen nicht hinreichend beachtet worden, das Gleiche gelte für die Schweinswal-Population. Der WWF sei am Überlegen, sich der Klage der Darß-Kommunen anzuschließen. Der BUND sieht aus Kostengründen dafür keinen Spielraum, sagt BUND-Energieexperte, Ulrich Söffker. dpa/nd

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