Der normalisierte Ausnahmezustand

Der türkische Staat hat in den kurdischen Gebieten die Untersuchungshaft als systematisches Repressionsinstrument etabliert

  • Von Lukas Theune
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Murat Melet ist Kummer gewöhnt. Als Vorsitzender der IHD-Gruppe in Van, eines türkischen Menschenrechtsvereins, der sich seit Jahrzehnten auch für politische Gefangene einsetzt, fordert er eine europäische Delegation auf, sich insbesondere für einen Inhaftierten einzusetzen: für Ergin Aktas.

Aktas ist ein kurdischer politischer Gefangener, der Anfang des Jahres aufgrund seiner politischen Aktivitäten festgenommen wurde. Bei der Verhaftung wurde ihm in beide Arme geschossen. Aktas kommt aus Van, einer Stadt im äußersten Osten der Türkei, fast im Iran. Die Bevölkerung ist kurdisch, die große Mehrheit wählt die linke und prokurdische Partei HDP. Zwei Wochen nach seiner Festnahme und einer Notoperation wurde Aktas verlegt, in den äußersten Westen der Türkei, nach Izmir. Etwa zwei Flugstunden müssen seine Ehefrau und die Kinder auf sich nehmen, wenn sie Aktas besuchen wollen.

Dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall, sondern u...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.