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Fricopan-Betriebsrat will LINKEN-Chef werden

Andreas Höppner kandidiert als Nachfolger der Parteivorsitzenden Birke Bull-Bischoff in Sachsen-Anhalt

Formal steht ihm das Werkstor weiter offen: Andreas Höppner ist noch immer freigestellter Betriebsrat bei Fricopan, jenem Betrieb für gefrostete Backwaren in der Altmark, den sein Mutterkonzern Aryzta 2016 schloss. Höppner wurde landesweit als eine der Stimmen des Widerstands bekannt. Jetzt ist er, wie er sarkastisch sagt, »der letzte Fricopaner«.

Die Bekanntheit, die er in dem überregional beachteten Arbeitskampf erwarb, könnte dem gerade 49-Jährigen bald in einem anderen Amt nützen: Höppner kandidiert Ende Mai als neuer Landeschef der LINKEN in Sachsen-Anhalt. Im Amt folgen würde er auf die Bildungspolitikerin Birke Bull-Bischoff, die vor dem Wechsel in den Bundestag steht.

Höppner übernähme den Landesverband in einer nicht eben einfachen Zeit. Bei der Wahl 2016 verpasste die LINKE nicht nur den erhofften Wechsel in die Regierung; sie verlor sogar die Oppositionsführerschaft an die AfD. Die dezimierte Fraktion, der Höppner angehört, dringt gegen deren krawalligen Stil kaum durch; für die Landespartei hatte die Wahlpleite zudem erhebliche finanzielle Folgen. Inzwischen habe man sich erholt, sagt Höppner, der seit 2011 bereits Landesvize ist. Um schon bei der Bundestagswahl im Herbst an einstige Erfolge anknüpfen zu können, braucht es aber noch einige Ideen und neue Energie.

Höppner vertritt vor allem zwei Themenfelder sehr authentisch: Er ist Bürgermeister von Hohen Neuendorf, einem Ortsteil von Gardelegen in der Altmark, und also vertraut mit den Nöten der Kommunen. Als langjähriger Betriebsrat und Gewerkschafter hat er zudem unmittelbar erlebt, welch fatale Auswirkungen Niedriglohn, Leiharbeit oder befristete Arbeitsverhältnisse haben können.

Es sind Themen, die für ihn zum Markenkern der LINKEN gehören - und die er in der »alten« PDS als unterbelichtet empfand. Deshalb trat Höppner, der bis 1989 kurze Zeit SED-Mitglied war, erst 2008 in die neu formierte Partei ein. Ein Jahr später gehörte er bereits dem Landesvorstand an. Auf dem Parteitag am 20. Mai schickt er sich nun an, als erster Altmärker den Chefposten zu übernehmen.

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