Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Umstrittener AKW-Rückbau in Bayern

Proteste und Einwendungen in Gundremmingen

Gundremmingen. Die Kritiker des Atomkraftwerks Gundremmingen im schwäbischen Landkreis Günzburg haben erneut eine schnelle Abschaltung beider Reaktorblöcke verlangt. Vor der Anhörung zum geplanten Abbau des Blocks B nach dessen Abschaltung noch 2017 demonstrierten am Dienstag mehrere Initiativen in Gundremmingen. Sie fordern, dass in diesem Jahr auch Block C abgeschaltet wird, der nach dem Atomausstiegsfahrplan bis Ende 2021 weiterbetrieben werden darf. Die beiden bayerischen Meiler seien die letzten deutschen Siedewasserreaktoren im Betrieb, sagte Herbert Barthel vom Bund Naturschutz. Es sei ein alter und gefährlicher Reaktortyp.

Die Atomgegner sehen die bei der Anhörung diskutierten Abbaupläne der Energiekonzerne RWE und E.on für das Kernkraftwerk als unzulässig an. Sie kritisieren, dass Block B unmittelbar nach der Abschaltung ab Anfang 2018 schon demontiert werden soll, während der letzte Reaktor noch mehrere Jahre in Betrieb bleibt.

Die Konzerne betonen, dass nur solche Anlagen abgebaut würden, die für den Betrieb von Block C nicht nötig seien. »Wir bauen keine Systeme ab, die wir brauchen«, sagte der Leiter der kerntechnischen Genehmigungsverfahren bei RWE, Cord-Henrich Lefhalm. Die Sicherheit für Mensch und Umwelt stehe an erster Stelle. Der Rückbau werde für die Öffentlichkeit transparent sein.

Das Kraftwerk begründet die schnelle Demontage damit, dass dann die bislang für den Betrieb benötigten Mitarbeiter ohne Unterbrechung beim Abbau weiterbeschäftigt werden könnten. Der gesamte Abriss des ersten deutschen Groß-AKW wird sich voraussichtlich bis 2040 hinziehen, die Gesamtkosten stehen noch nicht fest. Die Konzerne haben für das Projekt Rückstellungen im Bereich von zusammen rund 1,5 Milliarden Euro für beide Blöcke gebildet. Ende 1966 hatte mit Gundremmingen erstmals eine atomare Großanlage Strom ins Netz gespeist. Zuvor hatte es nur deutlich kleinere AKW gegeben, überwiegend für Versuchszwecke.

Ziel des Abbaus ist es, das AKW »aus der atomrechtlichen Überwachung« zu entlassen. Dafür muss das Gelände von Strahlung dekontaminiert werden. Übrig bleibt ein Industriegebiet am Ortsrand von Gundremmingen. Davon abgetrennt wird es aber noch das Zwischenlager für die abgebrannten Brennelemente geben. 2019 will der Bund die Zwischenlager an allen Kraftwerksstandorten in eigene Verantwortung übernehmen.

Die Diskussion der Einwendungen gegen den Rückbau wird möglicherweise mehrere Tage dauern. Insgesamt hatten rund 150 Organisationen und Privatpersonen Ende 2016 ihre Bedenken gegen den Abbau schriftlich eingereicht - eine relativ überschaubare Zahl. Beim entsprechenden Verfahren zum Rückbau des AKW Grafenrheinfeld in Unterfranken waren Bedenken von etwa 850 Personen eingegangen. RWE führt die deutlich geringere Zahl in Gundremmingen auf die Informationsangebote des Kraftwerks zurück.

Im Fall von Gundremmingen hatten nicht nur Gegner Einwendungen erhoben, auch Befürworter meldeten sich zu Wort. Sie sind der Ansicht, dass die Blöcke nicht abgebaut werden sollten - oder so lange weiterlaufen, bis kohlendioxidfreie Ersatzkraftwerke zur Verfügung stünden.

In Bayern waren zwischen 1961 und heute neun Kernkraftwerke in Betrieb, drei Meiler davon laufen noch. Nach Gundremmingen B (2017) und C (2021) soll als letzter Meiler im Freistaat Ende 2022 Isar 2 bei Landshut ausgeschaltet werden. Die AKW Kahl, Großwelzheim und Niederaichbach sind zurückgebaut worden. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln