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Bomben und Hunger in Jemen

Nahrung zuerst für Kämpfer, die Reste für die Bevölkerung / Allianz blockiert Hilfe

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es ist die Not, die die Menschen auf die Straßen treibt. Fast täglich haben in den von Huthi-Milizen kontrollierten Gebieten in Jemen in den vergangenen Tagen Hunderttausende demonstriert: »Das Volk« stehe »vereint hinter den Verteidigern der Nation«, wie sich die Huthi gerne nennen, melden die Medien der von Iran unterstützten schiitischen Milizen. Die kontrollieren nahezu ganz Nord-Jemen. Doch in unabhängigen Medien sprechen die Menschen eine andere Sprache. Der Krieg müsse aufhören, die Huthi-Milizen müssten sich mit der Regierung, der internationalen Gemeinschaft einigen. Aber vor allem brauche man dringend Nahrung und Medizin.

Denn vor allem in Nord-Jemen hat die Bevölkerung nach Angaben des Roten Halbmondes nahezu flächendeckend Zugang zu - theoretisch - drei Mahlzeiten in der Woche. In den anderen Landesteilen besteht - theoretischer - Zugang zu fünf bis sechs Mahlzeiten in der Woche. »Wir sagen hier ›theoretisch‹, weil verfügbare Nahrung meist zuerst an die Kämpfer geht und die Bevölkerung die Reste bekommt«, sagt Dr. Saed Habtur vom Roten Halbmond in Aden. Die Stadt befindet sich unter Kontrolle der international anerkannten Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi.

Ob bereits eine Hungersnot herrscht oder noch droht, ist eine Frage der Definition. Die Vereinten Nationen legen andere und strengere Kriterien an als Hilfsorganisationen. Vor allem Diplomaten aus Staaten, die an der von Saudi-Arabien dominierten und von den USA unterstützten Militärallianz beteiligt sind, versuchen zu verhindern, dass UNO und Weltgesundheitsorganisation die Lage in Jemen als Hungersnot einstufen. »Da wird dann darüber diskutiert, ob 2,9 oder 4,3 von 10 000 Kindern am Tag an Unterernährung sterben«, sagt ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation.

Derzeit berufen sich Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums darauf, die Lage in Jemen sei ernst, aber nicht außer Kontrolle. Schuld seien die Huthi und Iran, die Nahrungsmittellieferungen für den Waffenschmuggel nutzten. Würde in Jemen hingegen auch offiziell eine Hungersnot erklärt, stiege der internationale Druck, die Grenzen für Hilfstransporte zu öffnen, die Strategie zu ändern.

Denn die internationale Militärallianz hat einen erheblichen Anteil daran, dass es soweit gekommen ist. Die saudische Luftwaffe greift immer wieder auch Infrastruktur wie Straßen, Brücken, Flughäfen an. Eine Seeblockade verhindert, dass Hilfsgüter per Schiff nach Jemen gelangen.

Seit dem vergangenen Wochenende wurden die saudischen Angriffe zudem noch weiter ausgeweitet. Aktuell ist die Luftwaffe nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Gleichzeitig hat die US-Regierung eine Ausweitung des eigenen Engagements angekündigt. Das Militär der Vereinigten Arabischen Emirate soll logistisch dabei unterstützt werden, die Hafenstadt Al Hodeida zu erobern. Die Allianz wirft Iran vor, über den Hafen Waffen für die Huthi ins Land zu bringen.

Vor einigen Tagen hatten die Milizen bekannt gegeben, im Besitz von selbst gebauten Mittelstreckenraketen unter dem Namen Qaher M2 zu sein. Mindestens zwei solcher Raketen wurden bereits auf Saudi-Arabien abgefeuert. Das wiederum dient Saudi-Arabien als Begründung für die verstärkten Angriffe: Die neuen Raketen bedrohten auch den Schiffsverkehr ins Rote Meer.

Über al Hodeida gelangen aber, wenn auch unregelmäßig, die einzigen Hilfsgüter in die Region. Nach einer Eroberung durch Allianz-Truppen wäre auch dieser Weg abgeschnitten. Diplomatische Lösungen scheinen derweil in weite Ferne gerückt, auch wenn sich der mauretanische UNO-Sondergesandte Ismail Scheich Ould Ahmed unermüdlich um eine Rückkehr an den Verhandlungstisch bemüht.

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