Von Johanna Treblin

Buchladen Kisch und Co. kann bleiben

Kreuzberger Traditionsgeschäft erhält Mietvertrag für weitere drei bis fünf Jahre

Der Buchladen Kisch und Co. kann für mindestens weitere drei Jahre in der Kreuzberger Oranienstraße bleiben. Darauf einigte sich der Eigentümer nach Angaben eines Mitarbeiters mit dem Vermieter Berggruen Holdings. Der Vertrag sei allerdings noch nicht unterzeichnet.

Eigentlich sollte Ende Mai Schluss sein für die Buchhandlung. Der aktuelle Mietvertrag läuft aus. Zwar hatte der Vermieter einen neuen Mietvertrag angeboten. Doch der sah 20 statt 17 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter vor und er sollte nur für ein Jahr gelten. Das war dem Betreiber Thorsten Willenbrock, der in den vergangenen Jahren immer wieder Mieterhöhungen akzeptiert hatte, zu unsicher und zu teuer. Willenbrock hatte seinem Vermieter daraufhin Gegenangebote gemacht, allerdings bisher erfolglos, sagte er Anfang März dem »nd«. Ein Nachmieter stand bereits fest: Die seit 20 Jahren in der Oranienstraße ansässige Buchhandlung sollte dem Brillengeschäft Ace & Tate weichen.

Nun gibt es doch noch eine Einigung: Laut Sarah Walter, Sprecherin des Bündnisses »Zwangsräumung verhindern«, hat Willenbrock die Mieterhöhung akzeptiert, dafür kann er länger bleiben. Diskutiert wird noch, ob für drei oder fünf Jahre. Bis Anfang nächster Woche soll die Einigung stehen.

Seit Anfang des Jahres gehen immer wieder Nachbarschaftsinitiativen und Aktivisten gemeinsam mit Mietern von Gewerberäumen gegen deren Schließung auf die Straße. Erfolgreich, wie es scheint. Erst zeigte sich die Eigentümerin Taekker des Gewerbehofes Lausitzer Straße 10/11 zu Gesprächen bereit. Nutzer wollen das Haus kaufen. Allerdings würde der Kaufpreis von 20 Millionen Euro bedeuten, dass sie ihre Mieten selbst erhöhen müssten. An dieser Stelle wird weiter verhandelt.

Mitte März versprach die Eigentümerfirma S Immo eine Verlängerung des Mietvertrags des Haushaltswarenladens Bantelmann in der Wrangelstraße. Der Familienbetrieb hätte bereits Ende März ausziehen sollen. Schließlich gab es doch einen neuen Mietvertrag für zunächst drei Jahre. Eine Woche später einigten sich auch die Betreiber der Bäckerei Filou in der Reichenberger Straße mit den britischen Hausbesitzern auf eine Verlängerung des Mietvertrags. Unterstützung hatten die Betreiber vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele bekommen. Er hatte zwischen beiden Parteien vermittelt.

Das Bündnis Zwangsräumung verhindern sagte nach der Einigung zwischen Kisch und Co. und dem Hauseigentümer eine Kundgebung am Freitag vor dem Firmensitz der Berggruen Holdings ab.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken