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Nur mit Schmerzen an die Spitze

Trotz kurzer Vorbereitung gewinnen Sawtschenko/Massot Silber bei der Eiskunstlauf-WM

  • Von Britta Körber, Helsinki
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ihre Enttäuschung über die hauchdünn verpasste Goldmedaille wollte Aljona Sawtschenko partout nicht zugeben. »Unser Ziel ist nicht Gold bei einer Weltmeisterschaft, sondern bei Olympia, und da war es der richtige Schritt«, beteuerte die ausgelaugte fünfmalige Weltmeisterin im Paarlauf nach dem verpassten Coup kurz vor Mitternacht in Helsinki. Die Anstrengungen der vergangenen Tage, nachdem der Rücken von Partner Bruno Massot doch noch halbwegs belastbar war, ihr Fuß aber noch schmerzte, hatten alles abverlangt. »Es war sehr hart mit nur zwei Wochen Training«, sagte die 33-Jährige.

»Es braucht ein langes Leben voller Schmerzen, um so weit zu kommen«, meinte der 28-jährige für Deutschland startende Franzose Massot. Nur mit Spritzen und Physiotherapie konnte er überhaupt starten. Die Zuschauer in der Hartwall Arena belohnten die starke Leistung. Die 10 000 Eislauffans in Helsinki kürten die Oberstdorfer zu ihren Weltmeistern der Herzen. Beim so schwierigen Dreifach-Wurfaxel in der Kür zum Lied »Lighthouse« von Patrick Watson gab es sogar Szenenapplaus.

Zwar interpretierten sie das Stück so gefühlvoll wie kein Konkurrenzpaar und bekamen vom Preisgericht fünfmal die Höchstnote 10. Doch kleine Fehler wie der bei einer Landung auf zwei Füßen und der Rückstand aus dem Kurzprogramm gaben den Ausschlag für die Chinesen Sui Wenjing/Han Cong, die sich sogar einen Sturz erlauben konnten.

»Klar, bin ich ein bisschen traurig. Aber wir waren letztes Jahr Dritte, dieses Jahr Zweite, und nächstens Jahr?«, fragte Massot rhetorisch in die Runde. Nach der Trennung von Robin Szolkowy, der nach WM-Titel Nummer fünf aufgehört hatte, fand Sawtschenko in Massot einen ähnlichen Partner. Nun ist es nicht mehr nur sie, die zu Höchstleistungen antreibt. So kündigte sie für die olympische Saison den gefährlichen vierfachen Wurfsalchow und einen viermal gedrehten Eingangs-Twist an. Wenn sie verletzungsfrei bleiben, sollte dies kein Problem sein.

Nur sind diese Elemente im Training so sturzintensiv, dass alle Spitzenpaare mit schlimmen Blessuren kämpfen. Die 21-jährige Sui riss sich alle Bänder in beiden Füßen, nach Operationen musste sie sogar das Laufen neu lernen, erzählte sie. Dennoch sind alle Paare unermüdlich auf der Jagd nach Olympiagold. Sawtschenko und Massot fliegen von der WM mit ihren jeweiligen Partnern nur eine Woche nach Miami zum Entspannen, dann geht es im Süden der USA wieder in eine Eishalle: Mit dem Choreographen John Kerr werden die neuen Programme entworfen.

Trainer Alexander König schlug derweil am Ende eines hochklassigen Abends etwas nachdenkliche Töne an: »Es fehlt noch ein bisschen, um wahre Champions zu werden. Sie müssen noch lernen, aufeinander mehr achtzugeben.« Es habe noch zu oft geknirscht, berichtete der Trainer, der auf Ausgleich bedacht ist: »Kleine Streitereien brauchen wir nicht, es ist schon so schwer genug.«

Froh über den Ausgang war Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union: »Es ist immer besser, Jäger zu sein als der Gejagte.« Vor Olympia muss Massot aber noch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Einen ersten Deutschtest hat er bereits absolviert: »Er war schwer, mal sehen, wie er ausfällt.« König hat ihn vorsichtshalber schon für den nächsten Termin angemeldet. dpa/nd

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