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Warum Marx nicht Torwart sein sollte

marx200.org: Neues Webportal nimmt sich nicht nur den Autor der »Kritik der Politischen Ökonomie« vor

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Berlin. Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob Karl Marx als Torwart einer internationalen Auswahl bedeutender Denker linker Theorie und Gesellschaftskritik richtig auf dem Spielfeld platziert wäre? Die italienische »Repubblica« hat es getan, und was daran keine gute Traineridee sein könnte, lässt sich jetzt auf einem neuen Webportal nachlesen: marx200.org.

Das dieser Tage gestartete Projekt von Rosa-Luxemburg-Stiftung und Helle Panke e.V. nimmt natürlich nicht nur philosophische Spielereien in den Fokus. Mit marx200.org wollen die MacherInnen mit Blick auf die beiden bevorstehenden Jubiläen – 150 Jahre Ersterscheinen des ersten Bandes von »Das Kapital« und der 200. Geburtstag seines Autor im kommenden Jahr – den Zugang zu Marx erleichtern: mit Videos und Texten, mit Debatten und Einführungen.

»Marx ist nicht allein im Rückblick auf die Wirkungen seiner Kritik zu verstehen, es ist noch gar nicht endgültig entschieden, was diese Kritik noch bewirken und bedeuten wird«, heißt es auf der Website, die zum Beispiel mit einer umfangreichen Sammlung von Vorwörtern zum »Kapital« und zum »Manifest der Kommunistischen Partei« aufwartet. Was man in diesen kommentierenden Texten unter anderem von Marx selbst, aber auch von Karl Kautksy, Eric Hobsbawm, Iring Fetscher und vielen anderen lesen kann, erhellt nicht nur die Editionsgeschichte vor allem von »Das Kapital«, sondern erzählt auch viel über die jeweiligen historischen Kontexte, in denen die »Kritik der Politischen Ökonomie« veröffentlicht wurde.

Wo die HerausgeberInnen schreiben, die heute durchaus spürbare Renaissance einer Beschäftigung mit Marx und seiner Analyse des Kapitalismus sei einer »bis heute anhaltenden Marx-Aneignung« zu verdanken, »die vor gut 50 Jahren - um 1968 herum – begann und seinerzeit von den neuen sozialen Bewegungen mit ihrem Bedürfnis nach Gesellschaftskritik ausgelöst wurde«, mag der eine oder andere eine Engführung darin sehen: Wie auch immer man ihren Beitrag am Ende bewertet, so hatte doch auch die realsozialistische »Marxologie« einen Anteil daran, dass heute immer noch über den Alten aus Trier gesprochen wird. Nicht zuletzt die in der DDR betriebenen Editionsarbeiten für die bis heute bestehende MEGA sind ein Beispiel dafür.

Doch marx200.org nimmt gar nicht in Anspruch, einen »fertigen« Kanon hinzulegen. Erstens, weil zum Denken »nach Marx« stets auch die kontroverse Auseinandersetzung dazu gehörte, wer ihn denn nun »richtig« gelesen habe oder sich mit dem Wort »marxistisch« überhaupt schmücken dürfe. Zweitens, weil das Denken »nach Marx« kein abgeschlossenes Forschungsgebiet ist, sondern immer noch ziemlich lebendig – das gilt gerade für die Frage, auf welche Weise sich in der politischen Praxis von Bewegungen und Parteien ein Bezug zu und auf Marx niederschlägt.

Abgesehen davon ist marx200.org keine »fertige« Seite, sondern lädt zum Debattieren, zum Ergänzen, zum Weiterdenken ein. Welche Rolle zum Beispiel Marx für linke Parteien von heute jenseits warmer Traditionsverweise in Grundsatzprogrammen spielt, etwa in der Analyse der herrschenden Verhältnisse, dazu darf man von marx200.org noch spannende Lektüren erwarten. Auch in den Übersichten über all die theoretischen Strömungen und politischen Bewegungen, die sich auf Marx berufen, lassen sich so noch bestehende Leerstellen füllen.

Der »Weg zurück zu Marx« führe »durch die gesamte Geschichte des Marxismus hindurch«, schreiben die Herausgeber und erinnern daran, dass nicht irgendetwas »Reines« vorliegt, sondern Marx und dessen Wert »untrennbar verbunden« ist »mit den Formen seiner Aneignung durch die Arbeiterbewegung und die politischen Strömungen, die sich auf ihn beriefen«. Wer hier einen Einstieg sucht, ist mit marx200.org gut bedient. Wer wissen will, wo sich in den beiden Jubiläumsjahren 2017 und 2018 Konferenzen mit Marx und seinem Erbe befassen, ebenso. In einem Blog werden aktuelle Hinweise, Bücher und Debatten nicht nur über Marx, sondern auch mit Blick auf die von ihm nicht zu trennende Geschichte der russischen Revolutionen von 1917 kommentiert.

Apropos Kommentar. Die Aufstellung der »Repubblica«, die Marx zum Torwart der linksintellektuellen All-Star-Mannschaft machte, nennt das neue Portal »befremdlich« - und das mit hervorragenden Gründen: »als echter Spielmacher müsste er natürlich Cheftrainer sein oder sportlicher Direktor«. nd

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