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Das Zähe der Zartheit

Annekathrin Bürger 80

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Nichts ist größer als das Leben! Das kann sie mit der galanten Verve einer Marktfrau spielen, andererseits aber gibt es nichts Verletzbareres als das Lebendige. Das spielt sie dann mit aller nur verfügbaren Sanftheit ihres Gesichts und Gemüts - von dem man sonst den Eindruck hat, dass es die Direktheit liebt, die Draufzu-Lust. Ihrem Spiel wuchs aus Lichtgläubigkeit ein gesunder Witz zu. Annekathrin Bürger: so oft, so einprägsam eine freche junge Wilde mit Unschuldsbonus. Sie konnte spielen, wie ein Mensch von Reinheit überwältigt wird, mitten in den Gegenwinden, den Eiseskörnern des Profanen.

Sie stand für Frühe, für Hoffnung, und frühe Hoffnung, das hieß: DDR. In Filmen von Gerhard Klein, Joachim Kunert, Slatan Dudow, Frank Beyer, Hans-Joachim Kasprzik, Egon Günther, Rolf Römer (»Berliner Romanze«, »Das zweite Gleis«, »Königskinder«, »Wolf unter Wölfen«, »Abschied«, »Hostess«). Der Zauber nie aus Marmor - und damit war Annekathrin Bürger wahrlich Vorläuferin einer betörenden Gilde: der Hoffmann, der Domröse, der Wachowiak. Und: Fast vierzig Jahre Berliner Volksbühne! Ein Lebens- und Spielpaket, gefüllt mit Erfahrung: Es geht gar nicht immer um Neuanfang, es geht um Verteidigung - dessen, was man ist und bleiben möchte.

Das ist Teil der Castorf-Leistung: seine Beharrungskraft für Barden. Sein Vertrauen auf schauspielerische Treue, die mitunter wohl mehr Einsatz, Energie, Elastizität fordern mag als die Gangarten des Wechsels. Auch Annekathrin Bürger gehörte dazu: Auch sie, die nach der Wende nichts mehr zu verlieren hatte, steigerte sich zum großen Gewinn für die berlinmittige Räuberbande. Auch sie, die nichts mehr gewinnen musste, zeigte der neuen Zeit, wie man die Angst vor ihr verliert. In so vielen Filmen wie Stücken ein Blickfang für jeden, der Wärme und zähe Zartheit sehen wollte. Heute wird Annekathrin Bürger 80 Jahre alt.

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