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Geräuschlos durch die Stadt

CleverShuttle ist ein neuer Fahrdienst, den die Konkurrenz kritisch sieht

Die Idee ist einfach. Man lädt sich die kostenlose CleverShuttle App auf sein Smartphone oder Tablet, öffnet sie und trägt den gewünschten Start- und Zielort ein, in meinem Fall Leipzig-Schleußig und Hauptbahnhof. Sofort sagt mir die App, wann das Auto da ist und wie lange es bis zum Zielort braucht. Auch der Festpreis wird angegeben, in meinem Fall 7,23 Euro, das ist etwa halb so teuer wie eine normale Taxi-Fahrt. In 19 Minuten soll das Auto vor meiner Haustür sein, und 16.02 Uhr am Hauptbahnhof.

Alles klappt gut, nur dass der Fahrer nicht an meiner Haustür klingelt, sondern ich auf meinem Tablet eine Nachricht bekomme, er könne mich nicht finden. Ich gehe einfach raus, und da steht er auch schon. Das Auto ist ein Elektroauto, mein Fahrer ist sehr freundlich. »Die Arbeitszeiten habe ich ja vorher gekannt.« CleverShuttle fährt wochentags von 15 Uhr bis 2 Uhr, und am Freitag und Sonnabend 15 bis 3 Uhr. Die Fahrer verdienen 10 Euro brutto pro Stunde. Alle Fahrer sind fest angestellt und besitzen einen Personenbeförderungsschein.

Geschäftsführer Bruno Ginnuth zum Konzept: Bei CleverShuttle können mehrere Fahrgäste, die sich nicht kennen, mitfahren, das sind so genannte Sharing-Fahrten (share heißt teilen). In meinen Fall hätte es ein Umweg über das Musikviertel sein können, wenn jemand von dort ebenfalls zum Hauptbahnhof möchte.

Er verweist auf die Zulassung seines Mietwagenservice durch die Stadt Leipzig, die mit Auflagen verbunden sei. CleverShuttle hat eigene Fahrzeuge, in Leipzig elf, und eigene Fahrer (anders zum Beispiel als die Firma Uber). Das Ganze funktioniert, weil seine Firma eine befristet geltende Ausnahmegenehmigung zur sitzplatzweisen Vermietung hat. Das ist Mietwagen ansonsten zur Abgrenzung zum Taxi untersagt. Die Reichweite der Elektro-Autos ist begrenzt. Alle 140 bis 200 Kilometer muss aufgeladen werden. Bruno Ginnuth sieht sein Unternehmen als Teil einer ganzen Mobilitätskette in der Stadt. »Straßenbahn, Taxi, Car-Sharing und eben CleverShuttle - das alles gehört heutzutage dazu.«

Hans-Jürgen Zetzsche vom Landesverband Sächsischer Taxi- und Mietwagenunternehmen äußert sich kritisch: »Die eingeschränkten Fahrzeiten, die territoriale Einschränkung auf nicht einmal das gesamte Stadtgebiet von Leipzig und die Konzentration ausschließlich auf Großstädte widerlegt die Aussage von CleverShuttle, das es sich um eine neue Verkehrsform zur Überbrückung der letzten Meile für Bahnreisende handelt.« Die Ausdehnung der Fahrzeiten samstags und sonntags bis drei Uhr würde zeigen, dass es um ganz normale Personenbeförderungen zu Zeiten hohen Bedarfs und damit um einen reinen Mietwagenverkehr geht, wie ihn das Personenbeförderungsgesetz definiert. Zetzsche weiter: »Die Einschränkungen sind Voraussetzung, um den Einsatz von elektrisch betriebenen Fahrzeugen überhaupt zu ermöglichen.« Leider gäbe es derzeit kein taxitaugliches, vollelektrisch betriebenes Auto. »Das hätten wir aber gerne«, unterstreicht Zetzsche.

Er sieht eine Wettbewerbsverzerrung: »Clever Shuttle wird subventioniert, insbesondere durch die hochdefizitäre Deutsche Bahn.« Nur dadurch könne CleverShuttle so preiswert sein. Zetzsche bezweifelt die etwa 100 Fahrten am Tag in Leipzig ebenso wie die Quote von einem Viertel Sharing-Anteil und damit die Erprobung einer neuen Verkehrsform.

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