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Vom Müssen und Wollen

Im Aufstiegskampf der zweiten Liga gewinnt Hannover 96 gegen den 1. FC Union Berlin

  • Von Alexander Ludewig, Hannover
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der Trost wirkte nicht lange. »Wir sind ja noch Tabellenführer«, hatte Damir Kreilach nach dem 0:2 am Sonnabend bei Hannover 96 gesagt. Für den Mittelfeldspieler und seinen 1. FC Union Berlin war es die erste Niederlage nach neun Spielen, zuletzt hatte es sogar sechs Siege in Serie gegeben. Am Sonntag fiel der Klub auf Rang drei zurück. Dem VfB Stuttgart reichte ein Remis in Dresden, Braunschweig gewann in Kaiserslautern. Etwas mehr Beständigkeit haben die Worte von Unions Trainer Jens Keller: »Wir werden bis zum Ende oben dabei sein.« Das punktgleiche Spitzentrio hat nach dem 26. Spieltag einen Zähler Vorsprung auf Hannover.

Zwei Vereine, ein Ziel: der Aufstieg in die erste Liga. »Es ist heute nicht irgendein Spiel«, heizte der Stadionsprecher die Stimmung vor dem Anpfiff in Hannover an: »Es ist das Spitzenspiel der 2. Bundesliga.« Vierter gegen Erster, Hannover 96 gegen den 1. FC Union Berlin - es war das Aufeinandertreffen zweier Klubs, die, zumindest im Rahmen des professionellen Fußballs, nicht unterschiedlicher sein könnten.

»Hier kann man verlieren«, hatte Jens Keller nach dem Spiel gesagt. »Hannover 96 ist ein Topfavorit auf den Aufstieg.« Kein Wunder, das Anspruchsdenken ist nach 14 Erstligajahren hoch. Und das Denken bestimmt beim niedersächsischen Klub nur einer: Martin Kind. Seit fast 19 Jahren steht er dem Verein vor, ist gleichzeitig Präsident und Geschäftsführer der ausgegliederten Profiabteilung. Spätestens im kommenden Jahr gehört ihm der Verein komplett. Die Deutsche Fußball Liga hatte 2011 beschlossen, dass Investoren, die seit mehr als 20 Jahren einen Klub erheblich fördern, die Stimmenmehrheit erlangen dürfen.

Eines ist Martin Kind nicht, ein Fußballromantiker. »Im Fußball gelten die Marktgesetze« lautet eines der Motive des erfolgreichen Unternehmers. Mit Hannover 96 schrieb er auch eine Erfolgsgeschichte: Von der Regionalliga ging es bis in den Europapokal. Dabei sind aber viele auf der Strecke geblieben: 17 Trainer, zehn Manager und auch etliche Anhänger des Klubs. Weil Kind die bei den aktiven Fans zurecht so ungeliebten Kollektivstrafen sogar im eigenen Verein verhängt hatte, unterstützten die Ultras die Mannschaft eine Zeit lang weder mit Gesängen noch Choreografien. Einige Ultragruppen lösten sich sogar auf, manch einer wechselte als Fan zur zweiten Mannschaft des Vereins.

Am Sonnabend war die Stimmung gut. Die Arena, die in Hannover einen Sponsorennamen trägt, war mit 49 000 Zuschauern ausverkauft. Nach dem Treffer zum 1:0 von Niclas Füllkrug in der 54. Minute und dem Eigentor von Unions Kreilach 13 Minuten später zum Endstand tobte das Stadion. Dass Ein- und Auswechslungen, Eckbälle oder aktuelle Zweikampfwerte von Sponsoren präsentiert und diese laut per Stadiondurchsage ständig genannt werden, stört dort scheinbar niemanden mehr.

Dass sich Hannovers Fans schon wieder an ein neues sportliches Führungsduo gewöhnen müssen, rief auch keine Proteste hervor. Anfang März musste Martin Bader gehen, Horst Heldt kam als neuer Sportdirektor. Ihm übertrug Martin Kind dann die Verantwortung, den beim Anhang beliebten Trainer Daniel Stendel zu entlassen. Denn der Aufstieg ist »alternativlos«, wie Kind immer wieder betont. Weil die erste Liga für Hannover 96 nach Kinds Rechnung ein Muss ist: Der Abstieg im vergangenen Sommer habe den Verein 40 Millionen Euro gekostet, ein weiteres Jahr in der zweiten Liga bringe sogar 50 Millionen Euro weniger in die Kasse.

An diesem Erfolgsdruck zerbrachen in Hannover schon einige. »Ja«, antwortete der neue Trainer André Breitenreiter. Auch er spüre ihn. Zugleich findet er aber, »dass der Druck von außen in den Verein getragen wird«. Das stimmt mitnichten. Martin Kind will maximalen Erfolg, oft um jeden Preis.

»Jeder Trainer, gegen den wir jetzt gespielt haben, hat gesagt: Das ist derzeit die stärkste Mannschaft der zweiten Liga«, berichtete Berlins Trainer Jens Keller: »Und genau das waren und das sind wir auch.« Dahin gekommen ist der 1. FC Union auf einem ganz anderen Weg als Hannover. Die Verein ist langsam, stetig und gesund gewachsen. Die 1. Bundesliga ist ein bislang unerfüllter Traum. So nah dran wie in dieser Saison war der Klub noch nie. Die Berliner wollen aufsteigen, aber sie müssen nicht.

Die Verbindung zu den Fans ist in Köpenick enger als bei fast jedem anderen Klub im Profifußball. Trotz aller Probleme wird versucht, das Wort Mitbestimmung zu leben. Auch auf dem schwierigen Weg nach oben will der 1. FC Union seine Anhänger nehmen. Nach Hannover waren rund 10 000 Fans gereist - und haben ihre Mannschaft nach dem 0:2 gefeiert.

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