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Mein Kumpel Muskel und ich saßen im Kreuzberger Lokal »Clash«. Das »Clash« ist eine Berliner Institution, das wissen alle, weswegen auch der Name der Gaststätte von Eingeweihten nur mit Ehrfurcht ausgesprochen wird. Es ist eines der letzten übriggebliebenen Refugien für Autonome, Traditionslinke und deren Hunde. Im »Clash« darf man alles machen, was man sonst nur von Bundeswehrsoldaten kennt: Bier verschütten, rülpsen und lauthals brüllen. Man kann sich sowieso nicht anders verständigen, denn aus den Boxen ertönt rund um die Uhr dasselbe stumpfsinnige, gleichförmige Gepolter und Gekloppe wie schon gestern, vorgestern, vorvorgestern und vor 25 Jahren. Vermutlich ist es ein Kassettentape von einer baskischen Hausbesetzer-Hardcorepunkband. Und wer hier keine faustgroßen Löcher in seiner Kleidung spazierenträgt und womöglich sogar »Bitte« und »Danke« sagt, wird von den Tresenkräften als Feind betrachtet und mit Nichtachtung bestraft.

Einige Biere waren an unserem Tisch an jenem Abend schon die Kehlen hinabgeflossen, und das Gespräch, das Muskel und ich über den fortgesetzten Umbau der einstmals niedlichen Bohème-, Schmuddel- und Struppistadt Berlin zur Angeber- und Arschgeigenmetropole führten, war in vollem Gange. Wir beide sind sehr kunstinteressierte Menschen. Weswegen es uns nach einigem Hin und Her gelang, die gesamte ermüdende Diskussion um den bevorstehenden Intendantenwechsel an der Berliner Volksbühne in einem kurzen Wortwechsel zusammenzufassen.

Frank Castorf, so Muskel, sei nichts als ein abgehalfterter »Theaterzar«, der ununterbrochen »die Monstranz der eigenen politischen wie ästhetischen Höchstwichtigkeit« vor sich hertrage. Und die Volksbühne sei eine »untote Institution«, die ihre »vollkommene ökonomische Überflüssigkeit« jeden Tag neu unter Beweis stelle. Man müsse Chris Dercon dankbar sein, dass er den »deutschen Theatersumpf« austrockne! »Ich persönlich kann es kaum erwarten, bis die Zeiten von Castorfs Plärr- und Schreitheater endlich vorbei sind. Die Volksbühne ist doch seit Jahren eine grausame Eventklitsche. Soll Chris Dercon mal machen, der ist wenigstens kein Ostler!«, argumentierte Muskel messerscharf und goss sich dabei Kräuterlikör in den Schlund. Woraufhin ich zu bedenken gab, dass andererseits von einem Fönfrisurträger, der sich bereitwillig »Kulturmanager« nennen lasse und sich stolz dazu bekenne, »vor elf Uhr abends« schlafen zu gehen, kaum anderes zu erwarten sei als »kreuzbrave Streber- und Staatskunst, öde Installationsscheiße und Expressivtanztheaterkäse«. Muskel plädierte also nach alter Punk-Manier für das Niederreißen und Plattmachen des Alten, Öden, Überkommenen, Abgelebten. Ich hingegen streute Skepsis gegen das Glatte, Angepasste, Hauptstadtschnöselige, Blasierte. Dabei hätten wir es belassen können, wäre da nicht noch der kluge junge Mann am Nebentisch gewesen, der unsere Argumentation belauscht hatte und nun einwarf: »Auf die Frage, welcher von beiden schlimmer ist, wusste schon der große Theaterkritiker Stalin die Antwort: Beide sind schlimmer.«

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