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Wenig Geld für Rad-Autobahnen

Ministerium verspricht 25 Millionen Euro pro Jahr für Schnellwege

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Das Bundesverkehrsministerium hat die Fahrradfahrer als Interessengruppe entdeckt. »Erstmals fördert der Bund im Jahr 2017 besondere Radschnellwege mit zusätzlichen 25 Millionen Euro«, sagte Verkehrsstaatssekretär Norbert Barthle (CDU) der »Rheinischen Post« anlässlich des internationalen Fahrrad-Kongresses, der am Montag in Mannheim startete. Um den Fahrradverkehr weiter zu fördern, habe der Bund seine Gesamtmittel für Radwege von 60 auf 100 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt.

Wer sich fragt, was ein Radschnellweg sein soll, dem liefert Barthle eine Definition gleich mit: »Das sind kleine Fahrradautobahnen für die, die ohne Ampeln und Kreuzungsverkehr viel schneller zur Uni oder zur Arbeit wollen.« Doch sind solche Fahrradautobahnen bislang noch eher Theorie als Wirklichkeit. Neben dem noch nicht ganz fertig gestellten Leuchtturmprojekt Radschnellweg Ruhr (RS1), auf dem man künftig 100 Kilometer von Duisburg bis nach Hamm quer durchs Ruhrgebiet radeln kann, sind solche Trassen vor allem in Ballungszentren wie München, Frankfurt und Hannover in Planung. Auch die rot-rot-grüne Regierung in Berlin plant solche Fahrradhighways.

»Gedacht sind Radschnellwege vor allem für den Alltagsverkehr, also für Arbeitswege, aber auch für tägliche Erledigungen auf dem Rad«, erklärt die Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Stephanie Krone, für die Deutschland in diesem Bereich noch sehr viel Nachholbedarf hat. »Bei uns gibt es je nach Auslegung des Begriffs etwa zwischen fünf und 40 Kilometer«, so Krone. Zum Vergleich: In den kleinen Niederlanden gibt es bereits 300 Kilometer Radschnellwege und zusätzliche 600 Kilometer sind in Planung

Dabei wird die gesunde und klimafreundliche Alternative hierzulande immer beliebter. Laut dem vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenen »Fahrrad-Monitor 2015« hatten zuletzt 76 Prozent aller Haushalte mindestens ein Rad. 50 Millionen Menschen fahren demnach regelmäßig Rad, elf Millionen sogar täglich. Die meisten benutzen es hauptsächlich in der Freizeit und für kleinere Einkäufe, mittlerweile radeln aber auch 29 Prozent zur Arbeit oder Ausbildungsstätte.

Viel Raum wird den Radfahrern dafür meist nicht gegeben. Zuletzt waren lediglich 39 Prozent aller Bundes-, 25 Prozent aller Landes- und 16 Prozent aller Kreisstraßen mit Fahrradwegen ausgestattet. Wenn also überhaupt vorhanden, dann ist der Radweg meist eingequetscht zwischen Fußgängerweg und Autofahrbahn. Von Pkw-Nutzern wird die Velospur auch gerne als zweiter Parkstreifen zweckentfremdet.

Die Folge: Fast die Hälfte aller Radfahrer fühlt sich nicht sicher. Und in der Tat gab es im Jahr 2015 genau 84 616 Unfälle, in die Fahrradfahrer verwickelt waren. Knapp 400 endeten für den Radfahrer tödlich.

Für den ADFC sind die 25 Millionen Euro für die Radschnellwege indes ein wichtiges Signal. »Denn bisher hat der Bund die Zuständigkeit für diese innovative und leistungsfähige Radinfrastruktur immer an Kommunen und Länder verwiesen«, so ADFC-Sprecherin Krone. Doch den Etat hält sie für zu klein. So fordert der Bund von den Kommunen, acht bis 19 Euro pro Einwohner und Jahr für den Radverkehr auszugeben. Für die Landkreise liegt die eingeforderte Sume bei ein bis sechs Euro. Angesichts der Milliarden für den Straßenbau ist der staatliche Radwegeetat laut dem ADFC mit 100 Millionen Euro »deutlich unterdimensioniert«. So kostet zum Beispiel allein die 3,2 Kilometer kurze, umstrittene Verlängerung der Berliner Stadtautobahn A100 den Steuerzahler 473 Millionen Euro.

Der ADFC fordert deshalb vom Bund die Aufstockung des Radwegeetats auf 800 Millionen Euro. Für die Radschnellwege wäre man mit 250 Millionen Euro zufrieden. Denn ein Kilometer Radschnellweg kostet zwischen 0,5 und 2 Millionen Euro. Die nun vom Bundesverkehrsministerium groß angekündigten 25 Millionen pro Jahr reichen also nur für 12 bis 50 Kilometer. Allein das Leuchtturmprojekt RS1 im Ruhrgebiet könnte demnach mit einem bundesweiten Jahresbudget nur zur Hälfte gebaut werden. Das vom ADFC geforderte Budget würde für drei solcher Aushängeschilder reichen.

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