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Ein Flugsteig soll Statistik retten

Rhein-Main-Gebiet: Pläne des Fraport für einen Billigflieger-Landeplatz sorgen für Unruhe

  • Von Hans-Gerd Öfinger, Wiesbaden
  • Lesedauer: 3 Min.

Als der irische Billigfliegers Ryanair im vergangenen November die erstmalige Einrichtung neuer Flugverbindungen ab Rhein-Main ankündigte, sahen viele Beobachter darin den Beleg für eine grundlegende Neuorientierung in der Fraport-Geschäftspolitik. Vor wenigen Tagen sind die ersten auf dem Rhein-Main-Flughafen stationierten Ryanair-Maschinen in Richtung Mittelmeer gestartet. Jetzt strebt das Fraport-Management die rasche Einrichtung eines speziellen Low-Cost-Flugsteigs für Billigflieger an. Dieser soll Medienberichten zufolge bis 2019 auf dem Gelände eines genehmigten künftigen dritten Terminals für rund 150 Millionen Euro gebaut werden - in sparsamer Leichtbauweise mit Fertigelementen.

Die Rede ist von einem neuen »Flugsteig G«, auf dem in einer Stufe zunächst acht und nach einem weiteren Ausbau bis zu zwölf Millionen Passagiere jährlich abgefertigt werden könnten. Diese Inbetriebnahme fände damit deutlich früher statt als die für 2023 anvisierte Fertigstellung von Terminal 3. Das Projekt entspräche den ehrgeizigen Wachstumsplänen von Ryanair, die einen massiven Kostendruck gegenüber Flughafenbetreibern ausübt. Schließlich kommt Ryanair bei Fraport schon jetzt in den Genuss eines speziellen und befristeten Neukunden-Rabatts. Die entsprechende Entgeltordnung hatte Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) Ende 2016 genehmigt.

Dieser Kurswechsel in der Politik der teilprivatisierten Fraport AG hat Widerspruch ausgelöst. So befürchten lärmgeplagte Anwohner und Ausbaugegner eine weitere Zunahme von Flugbewegungen und Lärm. Auch das von Al-Wazir geführte Ministerium signalisierte Bedenken und erinnerte die Fraport-Manager daran, dass der Planfeststellungsbeschluss für den Bau von Terminal 3 Grenzen und Bedingungen für das Projekt festgelegt habe. So habe man vor Jahren das Vorhaben genehmigt, um die Drehkreuzfunktion des Frankfurter Flughafens zu stärken. Dazu gehöre auch, dass Passagiere und deren Gepäck in einem bestimmten zeitlichen Rahmen Umsteigeverbindungen erreichen könnten. Mit dem vorgezogenen Low-Cost-Flugsteig sei dies jedoch nicht gegeben, argwöhnt man im Ministerium.

Die Fraport AG scheine »endgültig den Strategiewechsel hin zu weiteren Billigfliegern zu vollziehen, der ihre jahrelangen Ankündigungen Lügen straft«, kritisiert die Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer (Grüne). »Es ist überhaupt nicht klar, ob diese Pläne mit dem ursprünglichen Planfeststellungsbeschluss vereinbar sind oder hier klammheimlich Fakten geschaffen werden sollen, die ihm zuwiderlaufen. Wir gehen davon aus, dass das Hessische Wirtschaftsministerium das Vorhaben genau prüfen wird«, hofft Feldmayer. Bislang habe Fraport die Flughafenerweiterung als notwendig dargestellt, um Drehkreuzfunktion, Qualität und Positionierung in der Oberklasse zu sichern. »Wie das geplante Luxusterminal und ein Billigflieger-Landeplatz aus Fertigbauteilen zusammenpassen, muss Fraport erstmal schlüssig erklären«, so die Parlamentarierin.

»Die Passagierzahlen gehen zurück und alle geschönten Prognosen sind hinfällig. Billigflieger sollen jetzt für ein Wachstum auf Teufel komm raus sorgen«, so Janine Wissler, Vorsitzende der hessischen Linksfraktion. Dies sei nicht nur ökologisch falsch, sondern auch »ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten bei den etablierten Airlines und am Boden, deren Arbeitsbedingungen durch Gebührenrabatte für Ryanair und Co. weiter unter Druck stehen«. Logik und Interessen der börsennotierten Fraport AG stünden »eklatant gegen die Interessen der Menschen, die von Lärm und Schadstoffen betroffen sind und sich der weltweiten Klimakatastrophe entgegenstellen wollen«.

Bei der teilprivatisierten Fraport AG halten das Land Hessen und die Stadt Frankfurt am Main nach wie vor eine Mehrheit der Anteile. Der Fraport-Großaktionär und Großkunde Lufthansa zeigt sich zunehmend verstimmt über die Zugeständnisse an die Billigkonkurrenz.

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