Werbung

Lieber ohne Mann

Verdient eine Frau mehr als ihr Partner, verwaltet sie ihr Geld lieber allein

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

So weit, so bekannt: Frauen erhalten für ihre Arbeit im Schnitt weniger Geld als Männer. Weil sie häufig lohnabhängige Jobs erledigen, die schlechter bezahlt werden. Und Frauen »verdienen« in vielen Berufen auch weniger als ihre männlichen Kollegen. So war der Bruttostundenverdienst von Frauen vergangenes Jahr insgesamt um 21 Prozent niedriger als der von Männern.

Von der Hausfrauenarbeit sei hier zunächst gar nicht die Rede. Das Blatt der geschlechtlichen Ungleichbehandlung wendet sich erst mit steigendem Einkommen der Frau. Frauen, die mehr Geld verdienen als ihr Partner, bevorzugen scheinbar finanzielle Unabhängigkeit durch getrennte Kassen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls eine neue Untersuchung, die im Rahmen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf erstellt wurde.

Die meisten Paare legen danach zwar ihr Einkommen zusammen. »Doch wenn Frauen mehr verdienen, bevorzugen sie getrennte Kassen«, sagt die Sozialwissenschaftlerin Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung. Getrenntes Wirtschaften in einer Partnerschaft wird umso wahrscheinlicher, je mehr die Frau verdient. Nach Ansicht von Expertin Lott deutet das darauf hin, dass Frauen finanzielle Unabhängigkeit anstreben, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Sind Frauen als doch keine besseren Menschen, wenn sie erst mal am Drücker sind?

Nun ist die Datenbasis der Untersuchung kaum jünger als der »Internationale Frauentag«. Lott hat Daten des Sozio-oekonomischen Panels, kurz SOEP, aus den Jahren 2004, 2005 und 2008 ausgewertet. Das SOEP ist eine repräsentative Befragung von rund 12 000 privaten Haushalten in ganz Deutschland. Im jährlichen Rhythmus werden dazu seit 1984 immer dieselben Personen und Familien befragt, soweit sie noch unter uns weilen. Federführend ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Aus der Grundgesamtheit konnte Lott 2900 Paare im erwerbsfähigen Alter herausziehen. Heterosexuelle Paare, versteht sich. Dabei hat sie eine »eher ungleiche Verteilung« von bezahlter und unbezahlter Arbeit ermittelt: Im Beobachtungszeitraum entfallen auf die Partnerinnen im Schnitt 78 Prozent der Arbeit im Haushalt und 89 Prozent der Kinderbetreuung - der Anteil der Frauen am gemeinsamen Einkommen liegt dagegen lediglich bei 32 Prozent. Nur ein Drittel der Frauen arbeitet in Vollzeit.

Etwa drei Viertel der befragten Paare verwaltet danach ihr Geld gemeinsam, der Rest mehr oder weniger unabhängig voneinander. Für die Frage »getrennt oder gemeinsam?« spielt, nicht ganz überraschend, die Form der sogenannten Partnerschaft eine entscheidende Rolle: Nichteheliche Lebensabschnittsgemeinschaften wirtschaften kaum zusammen. Die Geburt eines Kindes, so die Studie, habe dagegen keinen messbaren Einfluss.

»Von maßgeblicher Bedeutung ist indes das Einkommen der Frau«, so die Forscherin Lott. Bei Paaren mit getrennter Kasse sei es im Schnitt fast doppelt so hoch wie bei denen, die ihre Finanzen gemeinsam verwalten. Einkommenszuwächse auf Seiten der Partnerin erhöhen dann deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass »Paare« unabhängig voneinander haushalten. Lott schließt daraus, dass Frauen in einer emotionalen Beziehung stark an finanzieller Unabhängigkeit interessiert sind und diesen Wunsch realisieren, sobald sie es sich leisten können.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln