Bis die Teppichkante festgenagelt wird

Sarah Schmidt: In ihrem neuen Roman begegnen wir einer alten Bekannten wieder - der griesgrämigen Seniorin Frau Scholz

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Edith Scholz hätte ihrerseits sicherlich keinen Wert auf das Wiedersehen gelegt. Eine Freude ist es dennoch. Denn anders als im echten Leben ist es in guter Literatur immer angenehm, alten Bekannten zu begegnen, und seien sie Fieslinge, Langweiler, Kauze oder eben auf den ersten Blick so wenig charmant wie Frau Scholz. »Alles an ihr ist eine Anklage. Ihr Aussehen, ihr Geruch, ihr Gang, ihr Gesichtsausdruck. Eine Anklage gegen das Leben an sich. Anstatt laut darauf zu schimpfen, hat sie sich für die weibliche Klageform entschieden, den stillen giftigen Vorwurf. Den finde ich noch unerträglicher. ›Ach, es geht schon‹, scheint sie ständig zu sagen, obwohl sie ›Nein, gar nichts geht, alles ist grässlich ungerecht‹ meint. Sie fällt einem sofort auf die Nerven.« So beschrieb Sarah Schmidt sie in ihrem Roman »Eine Tonne für Frau Scholz« (2014).

Beim Wiedersehen - auch dies eine Besonderheit der Literatur und verwandter Kunstformen - ist Edith ...


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