Mascha, das kleine Russenluder

Litauen: Die enhanced Forward Presence Battlegroup und das beengte Umfeld der Deutschen

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An diesem Osterwochenende gehen hierzulande mal wieder Friedensfreunde auf die Straße. Ihr zum Teil ohnmächtiger Protest hat viele Gründe. Einer lässt sich nahe der Grenze zu Russland und Weißrussland im litauischen Ort Rukla besichtigen. Dort hat die Bundeswehr ihr Ausgangslager bezogen.

Das sei eine Reaktion »auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die Provokationen in der Ukraine durch Russland«, betont das Verteidigungsministerium. Die Stationierung von je einem Kampfbataillon, Battlegroup genannt, ausländischer NATO-Soldaten in den drei baltischen Staaten und in Polen war auf dem NATO-Gipfel in Warschau beschlossen worden, der im vergangenen Juli stattgefunden hat.

Die Führung des Bataillons obliegt deutschen Offizieren, sie haben 450 Soldaten mitgebracht, die meisten stellt derzeit das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach. Sie verfügen über »Marder«-Schützen- und »Leopard«-Kampfpanzer sowie weitere Technik. Hinzu kommen einhundert Kämpfer aus Belgien, 250 kommen aus den Niederlanden, Norwegen schickte 200 Soldaten. Ab Sommer will Luxemburg 50 Bewaffnete einpassen.

Soweit die Fakten. Laut einer Antwort auf die Nachfrage des Linksfraktionsabgeordneten Michael Leutert muss der deutsche Steuerzahler dafür in diesem Jahr 23 Millionen Euro »sonstige Übungskosten«, sechs Millionen Transportkosten und eine Million Euro für Reisekosten berappen. »Die übrigen Ausgaben für die personelle und materielle Einsatzbereitschaft werden in Abhängigkeit der Zweckbestimmung in einer Vielzahl von Titeln im Einzelplan 14 veranschlagt und nicht separat ausgewiesen.« Soweit die grundlegenden Fakten zu den - wie es heißt - sicherheitspolitisch notwendigen und moderaten Maßnahmen.

In der Regel wollen Soldaten wissen, gegen wen sie im Ernstfall antreten müssten. Schon um die eigene Überlebensfähigkeit abschätzen zu können. Darüber hört man aus guten Gründen in Deutschland so gut wie nichts. Litauens Verteidigungsminister Raimundas Karoblis dagegen verweist bei jeder Gelegenheit auf das Kaliningrader Gebiet. In ihrer Exklave hätten die Russen massiv Truppen stationiert. Auch Atomraketen. Dagegen organisiert Litauens Regierung alles - nebst den deutschen Verbündeten auch den Partisanenkampf.

Ob der gegen Mascha und den Bären bestehen kann? Die beiden sind kreuzgefährlich, meint der Chef der litauischen Staatssicherheit, Darius Jauniškis. Er befeuert das zunehmende Gerede über den hybriden Krieg, den Moskau gegen die freie Welt führt. Zum Beispiel über die Medien. Im vergangenen Jahr habe Russland 1500 Stunden Videomaterial vorbereitet und in zehn Fremdsprachen übersetzt. Das reiche von diversen Dokumentationen bis zu Zeichentrickfilmen.

Eine der wohl bekanntesten Serien trägt den Titel »Mascha und der Bär«. Die Kleine mit den großen Kulleraugen lebt in einem kleinen Schrankenwärterhäuschen. Ihr einziger Nachbar ist ein gutmütiger Bär, der keine Ruhe findet, weil die kleine, süße aber nervtötende Mascha ihn jeden Tag besucht und mit allerlei Unfug behelligt. Dennoch kümmert sich der Petz liebevoll um das kleine Mädchen. Lustig.

Von wegen! Litauische Politiker behaupten, die Serien solle die Wirklichkeit verzerren. Der russische Bär sei weder gutmütig noch biete er den Kleinen Schutz. Und warum wohl trägt Mascha eine Militärmütze mit rotem Stern? Wer genau hinguckt, erkennt auch noch, dass es eine ist, die von den Truppen des KGB getragen wurde. Dass Russlands Präsident einst diesem Geheimdienst diente, sei ja wohl kein Zufall. Das alles sehen die Zuschauer, die beispielsweise in Mexiko alllabendlich »Masha y el Oso« gucken, nicht. Sie wissen folglich nicht, in welcher Aggressionsgefahr sich das mittelamerikanische Land befindet ...

Anders in den baltischen Staaten. Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė redet nicht von ungefähr auf Mitarbeiter der nationalen Sendeanstalten ein, damit die nicht leichtfertig solcher russischen Propaganda auf den Leim gehen, und diverse Forscher warnen nimmermüde den »codierten politischen Botschaften«, die gerade von Mascha transportiert werden. Die seien schwer zu entschlüsseln, weshalb es für getreue Litauer besser wäre, überhaupt kein russisches Fernsehen zu empfangen.

Auch wenn man den Russen nun ein völlig neuartiges Konzept des hybriden Krieges andichtet, im Grunde sind das alte Kamellen. Man erinnert sich an Antennen-Umknick-Aktionen in der frühen DDR, mit denen man dem verheerenden Einfluss des Westfernsehens wehren wollte. Und dass der von der Holländerin Greetje Kauffeld gesungene Hit »Wir können uns nur Briefe schreiben« eine eindeutige Kampfansage gegen Ulbrichts Mauer war, verstand sich mit Hilfe des Schwarzer-Kanal-Arbeiters Karl-Eduard von Schnitzler von selbst.

In solchem politisch kleinkarierten Umfeld bewegen sich die deutschen Soldaten. Doch die bekümmert viel mehr ihre räumliche Enge. Gerade einmal vier Quadratmeter hat jeder Bundeswehrsoldat in der Kaserne, die einst das 242. Ausbildungszentrum der sowjetischen Fallschirmjägertruppe war. Acht Mann auf der Bude - das ist ungewohnt für die deutschen Soldaten.

Bis zum Sommer wird sich die Lage vor allem durch den Aufbau von Containerblöcken verbessern. Doch die sowie ganze Zeltstädte braucht man auch, um »anlassbezogen« im 1. Halbjahr 2017 weitere 440 deutsche Soldaten unterzubringen. Denn zur offiziellen enhanced Forward Presence Battlegroup in Litauen kommen phasenweise Einheiten der Panzerartillerie, ABC-Abwehrexperten sowie Mannschaften für schweres Pioniergerät und für Flugabwehrsysteme hinzu. Auch sie sollen mit den litauischen Partnern üben. Auf diese Weise werden weit mehr als die offiziellen 450 in Rukla stationierten Bundeswehrsoldaten an die Nähe der Russen gewöhnt.

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