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Mittelmeer-Drama: Retter in Not

Tausende Menschen wurden herausgezogen - Rettungsschiffe völlig überladen und ohne Antrieb

Papst Franziskus mahnte in seiner Osterbotschaft am Samstag erneut zur Hilfe für Migranten und für Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit. Wer zur Flucht gezwungen sei, müsse »immer und überall Brüdern und Schwestern begegnen«. Christus mache sich zum Weggefährten aller, »die gezwungen sind, aufgrund bewaffneter Konflikte, terroristischer Angriffe, Hungersnöte oder unterdrückerischer Regime die eigene Heimat zu verlassen«.

Über die Feiertage hat die italienische Küstenwache und private Hilfsorganisationen mehr als 2000 Flüchtlinge von Booten im Mittelmeer gerettet. Sie versuchten von Libyen aus nach Italien gelangen – auf 16 Schlauchbooten und in drei Holzschiffen. Auch der Tender »Rhein« der Deutschen Marine wurde durch das Maritime Rescue Coordination Center zur Seenotrettung rund 60 Kilometer nordwestlich von Tripoli gerufen. Die Besatzung nahm 124 in Seenot geratener Flüchtlinge auf und unterstützte drei zivile Schiffe bei Rettungsaktionen. Die waren bereits am Rande Ihrer Aufnahmekapazität. Anschließend brachte die »Rhein« 1181 Menschen nach Italien. Unter den Geretteten befanden sich acht Schwangere, 428 Schiffbrüchige sind unter 18 Jahre alt.

Unterdessen riefen zwei private deutsche Rettungsschiffe selbst um Hilfe. Die »Iuventa« der Hilfsorganisation »Jugend rettet« aus Berlin und die »Sea-Eye« von Helfern aus Regensburg sendeten am Ostersonntag das Notsignal »Mayday«. Die mit Flüchtlingen überfüllten Schiffe seien manövrierunfähig, hieß es. Beide Besatzungen hätten etwa 600 Flüchtlinge an Bord genommen. Die »Sea-Eye« habe zudem einen Maschinenschaden. Die Situation des Schiffes und von 200 Menschen an Bord sei »angespannt«, teilte die Organisation am Montagmittag via Facebook mit. Zu dem Zeitpunkt waren die vorerst Geretteten bereits 24 Stunden an Bord. »Aufgrund des hohen Wellenganges war eine Evakuierung der Menschen bisher nicht möglich. Wir hoffen auf die Hilfe zweier Schiffe, die von Lampedusa aus auf den Weg zu uns sind.« Weitere 400 Flüchtlinge befanden sich nach Angaben von »Jugend rettet« in kleinen Booten und ohne Rettungswesten in der Nähe der Schiffe. Die Menschen drohten zu ertrinken, wenn sie nicht zügig von anderen Schiffen aufgenommen würden.

Am Montagnachmittag kam dann zumindest eine hoffnungsvolle Nachricht: »’Iuventa’ liegt im Windschatten eines großen Tankers/ Situation unter Kontrolle. Crew und Geflüchteten geht es den Umständen entsprechend gut.«

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als 24.000 Menschen von Libyen aus nach Italien aufgemacht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es etwa 6000 weniger. Internationale Organisationen vermuten, dass in Libyen derzeit zwischen 800.000 und einer Million Migranten auf eine Möglichkeit hoffen, in die EU zu gelangen.

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