Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Kiel stolpert einmal zu oft

Handballrekordmeister verabschiedet sich mit der Niederlage in Lemgo wohl endgültig aus dem Titelrennen

  • Von Christoph Stukenbrock, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Alfred Gislason war mächtig angefressen. »Ich bin sehr enttäuscht von unserem Spiel«, sagte der Trainer des THW Kiel nach der völlig überraschenden 30:34-Pleite beim TBV Lemgo und verschaffte seinem aufgestauten Ärger Luft: »Wir waren in der Abwehr zu langsam, hatten dadurch auch kaum eine Torhüterleistung. Und vorn haben wir zu viele technische Fehler gemacht.«

Rumms. Gislasons Analyse des Kieler Spiels beim ostwestfälischen Abstiegskandidaten kam einer sportlichen Bankrotterklärung gleich. Dabei war es beim Isländer wohl weniger der Zorn über die fünfte Saisonniederlage als der Frust über den erneuten Titel-K.o., der sich nach Schlusspfiff ein Ventil suchte.

»Das ist richtig schade für uns«, sagte Gislason. Nur eine Woche nach dem umjubelten Pokalcoup in Hamburg haben sich die Kieler mit ihrem reichlich uninspirierten Auftritt im Lipperland wohl endgültig aus dem Rennen um die Ligakrone verabschiedet. Zwei Spielzeiten nacheinander ohne Meisterschaft - das hat es in Kiel seit 13 Jahren nicht gegeben. Und unter Gislason noch nie.

Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Angesichts von zehn Minuspunkten ist aus dem Dreikampf an der Ligaspitze am Osterwochenende ein Duell zwischen Titelverteidiger Rhein-Neckar Löwen, der bei Frisch Auf Göppingen (28:24) siegte, und der SG Flensburg-Handewitt geworden. Die Norddeutschen müssen allerdings nach dem 32:34 (17:16) am Sonntag bei den Füchsen Berlin die Tabellenführung vorerst den Löwen überlassen.

Der Blick der Kieler geht derweil ab sofort eher in die andere Richtung. Auf Tabellenplatz drei droht den THW-Stars um Nationaltorwart Andreas Wolff sogar Ungemach von unten, die Qualifikation für die Champions League ist plötzlich in Gefahr. Die Füchse Berlin sind den Zebras nach dem Heimsieg gegen Flensburg mit nur einem Punkt Rückstand mehr denn je auf den Fersen. Königsklasse ohne Dauergast Kiel? Das hat es zuletzt in der Saison 2003/04 gegeben.

In Lemgo präsentierte sich der THW ohne den an der Patellasehneverletzten Kapitän Domagoj Duvnjak jedenfalls wenig königlich. Von der berauschenden Spielweise des Pokalfinales gegen Flensburg (29:23) waren Nationalspieler Steffen Weinhold und Co. meilenweit entfernt, von einem Motivationsschub oder gar Rückenwind des ersten Titels nach fast zwei Jahren nichts zu spüren.

Hinten brachten es die Torleute Wolff und Niklas Landin zusammen auf gerade mal fünf Paraden, vorn fehlte es an Ideen und Durchschlagskraft. Der TBV Lemgo sei schneller und explosiver gewesen und hätte zudem gekämpft bis zum Umfallen, sagte Rückraumspieler Blazenko Lackovic. »In der Bundesliga ist das dann so, vor allem auswärts. Dann verlierst du«.

Viel Zeit zur Verarbeitung bleibt den Kieler Stars nicht. Am Mittwoch kommt der starke Aufsteiger GWD Minden in die heimische Arena, und schon am Sonntag steht das nächste Highlight auf dem Programm: Im Viertelfinalhinspiel der Champions League wollen die Kieler den großen Titelfavoriten FC Barcelona ärgern - und die Handballwelt überraschen. Diesmal positiv. SID/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln