Von Hans-Gerd Öfinger

Prekär ohne Ende

Hans-Gerd Öfinger fordert ein grundsätzliches Verbot der Leiharbeit

Während Wahlkämpfer wie Martin Schulz das Elend der Leiharbeit entdecken und deren »Missbrauch« bekämpfen wollen, betreten IG Metall und Gesamtmetall mit der Vereinbarung über eine mögliche verlängerte Einsatzdauer für Leiharbeiter eine weitere Etappe auf dem Weg zur Zementierung prekärer Arbeitsverhältnisse. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Betriebsräte aus Angst vor Standortverlagerung »freiwillig« tarifliche Öffnungsklauseln herbeisehnen und dabei nur die Interessen der Stammbelegschaft im Blick haben. Es gehört nicht viel Fantasie dazu sich auszudenken, wie stark der Druck bei einem Konjunkturabschwung sein wird.

Angesichts von bundesweit zehn Millionen Menschen in prekärer Beschäftigung wird im real existierenden Kapitalismus die Schar der Lohnabhängigen immer größer, die kaum noch anderes als Durchhangeln mit Befristungen und Leiharbeitsverträgen kennen. Es mag sein, dass Betroffene froh sind, wenn sie neben dem kargen Lohn immerhin Branchenzuschläge erhalten und ihnen vorerst der Gang zur Arbeitsagentur erspart bleibt. Doch Leiharbeit ist und bleibt ein Instrument der Spaltung der Lohnabhängigen. Statt sie gesetzlich oder tarifvertraglich zu regulieren, gehört sie schlicht verboten.Vielleicht nutzen beherzte Gewerkschafter auch den kommenden 1. Mai, um dies ihren Vorständen klar zu machen.

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