Von Jürgen Vogt

Gemeinsam für mehr Freihandel

In Lateinamerika rücken die Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur und die Pazifikallianz näher zusammen

Die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur und die Pazifikallianz wollen zusammengehen. Das beschlossen die acht Außenminister der Mitgliedstaaten beider Blöcke Ende vergangener Woche bei einem Treffen in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. »Wir haben einen gut definierten Sechs-Punkte-Plan unterzeichnet«, verkündete Argentiniens Außenministerin Susana Malcorra. Das klare Ziel sei es, den Freihandel und die multilaterale Zusammenarbeit zu stärken.

»Das ist ein wichtiger Markstein für die Integration Lateinamerikas«, versicherte Malcorras chilenischer Amtskollege Heraldo Muñoz. In Zeiten der internationalen Unsicherheit, nationalistischer Spannungen und Fremdenfeindlichkeit sei eine Zusammenarbeit mit klaren Spielregeln für den Handel umso wichtiger, so Muñoz. »Das ist eine Chance zur Integration, die ergriffen werden muss, und in der Pazifikallianz haben wir das begriffen.«

Der Mercosur, das sind Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay und das gegenwärtig suspendierte Venezuela. Die 2012 geschlossene Pazifikallianz umfasst Chile, Peru, Kolumbien und Mexiko. Beide Blöcke hatten sich im vergangenen Jahrzehnt noch argwöhnisch beäugt. Während der Mercosur mehr durch Protektionismus nach außen und unter seinen Mitgliedstaaten von sich reden machte, galt die Alianza del Pacífico als zu freihandelsorientiert und US-hörig. Und während die Exporte der Pazifikallianz 2016 einen Wert von knapp 500 Milliarden Dollar ausmachten, kamen die vier gegenwärtigen Mitgliedstaaten des Mercosur auf lediglich knapp 260 Milliarden Dollar.

Doch inzwischen wird der Mercosur von der politischen Rechtswende in Argentinien und Brasilien angetrieben, und der Protektionismus von US-Präsident Donald Trump zwingt die Pazifikallianz zur Suche nach neuen Partnern. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hatte Trump das bereits ausgehandelte transpazifische Freihandelsabkommen (TPP) gestoppt sowie die Revision des nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta zwischen Mexiko, Kanada und den USA verfügt.

Argentiniens rechter Präsident Mauricio Macri hatte von Beginn seiner Amtszeit an auf eine Annäherung an die freihandelsorientierte Pazifikallianz gesetzt. Zurückgehalten hatte ihn ausgerechnet Argentiniens Mitgliedschaft im Mercosur. Die Wirtschaftsgemeinschaft wurde 1991 von Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay gegründet. Im Juli 2012 wurde Venezuela als weiteres Vollmitglied aufgenommen. Doch seit das Land vorübergehend suspendiert ist, ist die größte Bremse ausgeschaltet.

Bereits im Februar flog Macri zu seinem ersten offiziellen Besuch nach Brasilien. »In einem Moment der Zerrissenheit, der Isolation und des Protektionismus antworten Argentinien und Brasilien mit mehr Annäherung, Dialog und mehr Handel«, versicherte ihm damals der ebenfalls rechtsgerichtete brasilianische Präsident Michel Temer. Vereinbart wurden nicht nur eine Reaktivierung des Mercosur und der Gespräche mit der Europäischen Union über ein Handelsabkommen, sondern auch eine Annäherung zur Pazifikallianz.

»Argentinien und Brasilien waren die zwei großen lateinamerikanischen Länder, die das Modell der regionalen Öffnung bisher nicht begleiteten, die nun aber auf der gleichen Wellenlänge liegen«, freute sich Mexikos Wirtschaftsstaatssekretär Guajardo Villarreal über den vereinbarten Sechs-Punkte-Plan.

Dagegen warnte Chiles Außenminister vor zu viel Euphorie. Es handele sich nicht um eine einfache Fusion, dafür seien die Charakteristika und das Funktionieren von Mercosur und Pazifikallianz viel zu unterschiedlich, so Muñoz. So hätten die vereinbarten Verhandlungen über den konkreten Abbau von Zöllen und den anderen sogenannten nichttarifären Handelshindernissen noch gar nicht begonnen.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken