Wahl-Qual?

Die offizielle Wahlbenachrichtigung zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 7. Mai hat bei Sprachfreunden für Empörung gesorgt. Neben fehlenden Satzzeichen und anderen Rechtschreibfehlern fielen grobe Eingriffe in Wortschatz und Grammatik des Deutschen auf, erklärte der Verein Deutsche Sprache in Dortmund. Das gesamte Schreiben, das nach dem Willen der Behörden auch Menschen mit Leseschwäche verstehen sollen, wirke wie eine Fälschung.

Der Verein kritisierte vor allem »abstruse Bindestrichwörter«, die nicht nur orthografisch fragwürdig seien, sondern auch die Sachverhalte verfälschten. So zählte der Verein als falsch mit Bindestrich getrennte Wörter auf: »Land-Tag«, »Wahl-Tag«, »Voll-Macht«, »Barriere-frei« oder »Stimm-Zettel«.

Vereinssprecher Reiner Pogarell erklärte zum verfälschenden Charakter der Bindestriche, ein »Land-Tag« sei »kein regionales Parlament, sondern ein Tag auf dem Land«. Ein »Wahl-Tag« wiederum sei nicht der festgelegte Wahltag, sondern ein zu wählender Tag. »Ein ›Stimm-Zettel‹ ist sicher kein Stimmzettel, sondern vielleicht eine Anleitung für Klavierstimmer oder Chorleiter.«

Pogarell zweifelte daran, ob die Wahlbenachrichtigung wegen der Verfälschungen überhaupt als gültig angesehen werden könne. Auch die sonstige Wortwahl sei mitunter sinnentstellend. Die Aussage »Sie können auch Brief-Wahl machen« sei seine Falschaussage. Die Wähler könnten keine Briefwahl machen, sondern nur per Briefwahl ihre Stimme abgeben. AFP/nd

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