Seine Beobachtungsgabe und Neugier retteten ihn

Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder wird heute Ehrenbürger der Stadt Chemnitz

  • Von Enrico Hilbert
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Am Tag X, will ich kämpfend sterben!« So lautete die mutige Antwort des Gefangenen mit der Nummer 105027 im Krankenrevier von Auschwitz an den ihn untersuchenden Häftlingsarzt Dr. Grossmann aus Berlin. Der 19-Jährige drängte darauf, aus dem Krankenbau ins Lager entlassen zu werden, obwohl er nach einer Operation am Knie kaum allein stehen konnte.

Beim jungen Häftling handelte es sich um den gebürtigen Chemnitzer Justin Sonder, der am 27. Februar 1943, im Rahmen der »Fabrikaktion« verhaftet und zunächst im Untersuchungsgefängnis Hartmannstraße und dann im Lager Dresden-Hellerberg inhaftiert war, bevor er nach Auschwitz deportiert wurde. Der Tag »X« meinte in der Lagersprache den letzten Tag, an dem die Häftlinge zu entscheiden hatten, wie sie den Mördern entgegentreten.

Der unbedingte Wunsch, aus dem Krankenbau entlassen zu werden, hing mit den dort unregelmäßig stattfindenden Selektionen zusammen. Justin wusste davon durch se...


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