Von Johanna Treblin

»Interkiezionale« gegen Verdrängung

Am Samstag wollen Aktivisten der Freiraumbewegung eine Demonstration von Friedrichshain durch Kreuzberg nach Neukölln abhalten

Die Demonstration knüpft an früh...
Die Demonstration knüpft an frühere Unmutsbekundungen wie hier im Sommer 2016 an.

Seit drei Wochen ist die Frist für den Kiezladen in der Friedelstraße 54 ausgelaufen: Das linke Nachbarschaftsprojekt sollte bis Ende März ausziehen. Nun kann jeden Tag die Räumungsklage eintrudeln. Seit Monaten wehren sich die Nutzer des Kiezladens dagegen – sie wollen bleiben. Jeden Sonntag laden sie zur Kundgebung in die Friedelstraße ein. Am Samstagabend beteiligen sie sich außerdem an der »Interkiezionalen Demonstration«, die von Friedrichshain durch Kreuzberg nach Neukölln laufen soll.

»Wir rufen alle, die gegen Verdrängung und Aufwertung kämpfen, sich in ihren Kiezen zusammentun und organisieren, dazu auf, sich an der Demo zu beteiligen und ein klares Bekenntnis für einen entschlossenen Widerstand gegen die bestehenden Verhältnisse zu zeigen«, heißt es in einem der Aufrufe zur Demonstration. »Stellen wir keine Forderungen an die Politik, sondern nehmen wir uns die Straße!«

Den Aufrufen zufolge, die auf dem linken Portal »Indymedia« zu lesen sind, geht es um die Verteidigung »bedrohter Projekte«, neben der Friedelstraße 54 ist damit unter anderem das linke Hausprojekt in der Rigaer Straße 94 gemeint.

Angemeldet ist die Demonstration nach Angaben der Polizei als »Kiezdemo 3.0 – Trümmertanz« mit 300 Teilnehmern. Die letzte »Kiezdemo gegen Verdrängung« im Friedrichshainer Nordkiez am 9. Juli 2016 war für die Polizei das »bedeutendste Ereignis des Jahres«, wie ein Polizist im Laufe eines Gerichtsverfahrens gegen einen an dem Tag festgenommenen Demonstranten sagte. Auch damals waren wenige hundert Teilnehmer angemeldet, es nahmen aber mehr als 2000 Personen teil. Es gab mehrere Festnahmen, zwei Personen wurden mehrere Monate in Untersuchungshaft festgehalten.

Dass die Demonstration am Samstag sich an der vom Juli orientiert, darauf lässt nicht nur die Uhrzeit schließen: Beginn ist 20 Uhr, Ende soll um 22 Uhr sein. »Verjagen, platt machen, verhindern: Das sind Wörter aus unseren schönsten Träumen. Aber wir haben keine andere Wahl«, heißt es in einem der Aufrufe weiter. »Noch mehr langweilige Latsch-Demos werden uns nicht weiterbringen.«
Wie die Polizei sich auf die Demonstration am Samstag vorbereitet, wollte eine Sprecherin auf Nachfrage nicht beantworten. Das seien einsatztechnische Überlegungen, anhand derer auch die Zahl der Einsatzkräfte bestimmt werde.

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