Von Nicolas Šustr

Lichtenberg setzt auf Ökomobilität

Das Ordnungsamt soll künftig elektrisch fahren, Rathausmitarbeiter mit dem Fahrrad

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Bezirksbürgermeister Michael Grunst (LINKE) mit seinem Fahrrad vor dem Rathaus Lichtenberg.

»Die Jugendverkehrsschulen werden in Lichtenberg zu Mobilitätsschulen für alle Generationen«, sagt Kirsten Schindler. Sie ist die bezirkliche Klimaschutzbeauftragte. An drei Tagen in der Woche geht es nicht nur um das richtige Verhalten im Straßenverkehr für Kinder und Jugendliche. Montags gibt es Mobilitätsberatung, also Informationen zu Leihautos und -rädern sowie zu Elektromobilität für alle Altersgruppen. »Viele Angebote gibt es schon, sie sind oft aber noch nicht bekannt«, so Schindlers Erkenntnis. Dienstags öffnet die Fahrradwerkstatt mit fachkundiger Unterstützung, offen für jedermann. Zunächst ist dieses erweiterte Angebot auf die Verkehrsschule in der Baikalstraße in Friedrichsfelde beschränkt. Wann in Alt-Hohenschönhausen ähnliche Angebote eingeführt werden, steht noch nicht fest.

Das ist allerdings nur ein Baustein des klimafreundlichen Mobilitätskonzepts für Lichtenberg. Dank intensiver Bemühungen des Bezirks werden zum offiziellen Start des Berliner öffentlichen Fahrradverleihsystems nextbike am 5. Mai gleich acht Standorte zur Verfügung stehen. »Vor dem Rathaus Lichtenberg, an unserem großen Verwaltungsstandort Alt-Friedrichsfelde 60, am U-Bahnhof Friedrichsfelde und dem S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost«, nennt Kirsten Schindler einige der neuen Ausleihstationen. Sie hofft, dass auch möglichst viele Verwaltungsmitarbeiter bei ihren Wegen zur Arbeit und zwischen den Dienststellen das neue Angebot nutzen werden - nicht nur aus Umweltgründen. »Wenn viel Rad gefahren wird, geht auch der Krankenstand signifikant zurück«, zitiert Schindler Studien zum Thema. Der Bezirk prüft noch, wie das System unkompliziert für Dienstfahrten genutzt werden könnte.

Auch in die Elektromobilität will Lichtenberg einsteigen. »Wir fangen zunächst mit den Fahrzeugen des Ordnungsamts an«, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (LINKE). Der Austausch von fünf VW Polos und drei VW-Bussen könnte jährlich 17 Tonnen CO2 einsparen. Wichtig sei auch, dass die Mitarbeiter selbst zu diesem Schritt bereit seien - das sei hier gegeben. »Wir haben im Vorfeld auch mit den Wasserbetrieben und den Berliner Verkehrsbetrieben gesprochen, die sehr positive Erfahrungen mit ihren E-Autoflotten gemacht haben«, berichtet Schindler. Nach einer bezirklichen Erhebung von 2016 wurden 63 Prozent der dienstlichen Wege mit privaten Kraftfahrzeugen zurückgelegt, weitere zehn Prozent mit Dienstwagen, 27 Prozent der Beschäftigten fuhren Bus und Bahn. Radler wurden nicht erfasst.

Doch der Elektrifizierung des Fuhrparks sind noch Grenzen gesetzt. »Die Fahrzeuge des Grünflächenamts sind beispielsweise nicht dafür geeignet«, sagt Grunst. Einen Austausch des eigenen Dienstwagens, ein Audi A6, den er von seiner Vorgängerin übernommen hat, hält Grunst nicht für sinnvoll. »Das wäre zwar ein Zeichen, allerdings fahre ich relativ selten damit. Da würde die CO2-Einsparung nicht sonderlich ins Gewicht fallen«, sagt der Bezirksbürgermeister.

Auch das Thema Fahrradparken müsse angegangen werden. »Sichere Fahrradabstellplätze sind absolute Mangelware«, sagt Grunst. Die abschließbaren Fahrradboxen der Firma »velo easy« vor den Bahnhöfen Karlshorst und Lichtenberg nennt er einen ersten Schritt, der gut angenommen werde. »Die Lösungen müssen größer werden«, findet der Bezirksbürgermeister.

Grunst möchte das Auto jedoch nicht verteufeln. »Viele Menschen sind darauf angewiesen.« Über den momentan im Fokus der Aufmerksamkeit stehenden Fahrradverkehr dürfte der Ausbau von Bus und Bahn nicht vergessen werden, sagt der Bezirksbürgermeister: »Mir berichten Schüler, dass sie manchmal eine oder zwei Straßenbahnen vorbei fahren lassen müssen, bevor sie überhaupt Platz finden.«

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