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Job-ABC, heute: Schachspieler

  • Von Andreas Gläser
  • Lesedauer: 3 Min.

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In der 2. Schulklasse hatte ich mit dem Schachspielen begonnen und bis auf Weiteres damit wieder aufgehört. Wir bauten im Hort die Figuren auf und rätselten: Konnte man zur Eröffnung die Bauern von B1 und G1 gleichzeitig um ein Feld vorrücken? Immerhin durfte man einen Bauern doch um zwei Felder vorziehen. Außerdem soll vor Hunderten von Jahren die Regel gegolten haben, dass ein Läufer nur je zwei Felder ziehen durfte, bevor durchgesetzt wurde, dass er, sofern die jeweilige Diagonale frei wäre, über alle Felder fliegen könne.

Wir bauten unsere Figuren gerne synchron gegenüberstehend auf, das sah schön aus. Unsere Spiele gingen wahrscheinlich remis aus, wie bei den Großen. Schacholympiaden und Ähnliches waren nie unser Thema. Wir wollten keine Remis-Riesen werden, die täglich viele Stunden über mausgrauen Lehrbüchern saßen und die Turnierverläufe von vor unserer Zeit studierten. Jahre später, während meiner Jugend, lockte die »BZ am Abend« mit einem offenen Turnier. Ich hampelte in der Vorrunde etwas herum und fing mir gegen zwei humorlose Sakkosäcke ebenso viele Niederlagen ein. Nun gut, immerhin hatte ich im Leben als Läufer noch nahezu alle Felder vor mir, nicht nur zwei, wie diese Herren.

Heutzutage spiele ich gerne in Kneipen, lieber noch davor, sofern kein Sturm über das Schachbrett zu fegen droht. Es gelten die Schöneberger Regeln: Läuft das Spiel im eigenen Sinne, verhält man sich charmant wie Marlene Dietrich, doch droht eine Niederlage, macht man einen Graciano Rocchigiani. Hat was vom Trendsport Schachboxen, bei dem im Ring drei Minuten Schach gespielt wird, bevor es zum Boxkampf kommt.

Für derartige Vergleiche gilt es, sich fit zu machen, zum Beispiel mit dem Buch »Genies in Schwarzweiß.« Hier werden alle Weltmeister porträtiert, beginnend vom Reformator Wilhelm Steinitz, der 1886 die erste WM gewann, über Bobby Fischer, ebenfalls USA, der sich 1972 als »Einzelkämpfer« in die Liste der Sieger aus der Sowjetunion einzureihen verstand. Bei dieser kurzweiligen Lektüre ist zu erfahren, welche Finalisten unter dem Tisch »per Platte« getrennt werden mussten, damit sie nicht mit den Füßen unfair agierten; wer eher Künstler oder Wissenschaftler war oder nebenher als Tennisspieler oder Opernsänger beeindruckte.

Schön auch, dass man im Internet viele bewegte Bilder findet. Auf YouTube stellen einige Großmeister genügend Lehrbeispiele vor, auf lichess.org und anderswo lässt sich schnell eine Partie gegen »Anonymous« spielen. Heutige Erst- bis Zwölfklässler finden in unserem Schlaraffenschachland sehr gute Voraussetzungen, um sich auf ihre Profipartien in Kneipen und Kathedralen vorbereiten zu können.

Martin Breutigam: Genies in Schwarzweiß. Die Schachweltmeister im Porträt. Verlag Die Werkstatt. 208 Seiten, Paperback, 14,90 €.

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