Von Alexander Isele

AfD-Politiker Maier fühlt sich in den Massenmörder Breivik ein

Aus Verzweiflung über den Multikulturalismus sei der Norweger zum Terroristen geworden, glaubt der Richter / Vorstandsmitglieder fordern Parteiausschluss

Jens Maier
Jens Maier

Anders Breivik hat 2011 einen der schwersten Terrorakte der letzten Jahre in Europa verübt. Zuerst zündete er in Oslo eine Bombe, dann erschoss er auf der Ferieninsel Utoya 69 Menschen, die meisten davon waren Teilnehmer und Teilnehmerinnen eines Feriencamps der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Norwegens. Insgesamt tötete er 77 Menschen.

Jens Maier, erst vor wenigen Woche auf Listenplatz 2 des sächsischen AfD-Landesverbandes für die anstehende Bundestagswahl gewählt, hat eine bestimmte Sicht auf Breivik. Wie der Vorwärts schreibt, soll Maier am Mittwochabend während einer Veranstaltung des neurechten Magazins »Compact« in der Nähe von Pirna gesagt haben, Breivik sei »aus Verzweiflung heraus zum Massenmörder geworden«. Maier soll über einen um sich greifenden Multikulturalismus und die Vermischung der Kulturen innerhalb westlicher Gesellschaften durch die Einwanderung von »Kulturfremden« gesprochen und die Frage gestellt haben, ob das nicht zum »wahnsinnig Werden« sei. Das Campact-Video der Veranstaltung ist mittlerweile gelöscht, aber ein Teilnehmer bestätigte gegenüber »Spiegel Online«, dass Maier dies so gesagt habe.

Weder verharmlosen noch verteidigen wolle Maier die Taten, sondern nur eine Erklärung finden, sagte er, auf die Vorwürfe angesprochen, gegenüber dem Magazin. Das sehen nicht alle so: Carsten Hütter und Mario Assmann aus dem sächsischen AfD-Landesvorstand sprechen von Parteiauschluss als einzig richtiger Konsequenz, sollten die Auswertung des Videomitschnitts der Veranstaltung die Vorwürfe bestätigen. Maier hingegen warnte seine Gegner in der AfD: »Wenn Äußerungen, ohne zu überprüfen, was wirklich gesagt und gemeint wurde, gegen mich verwendet werden, wird dieser Schuss nach hinten losgehen.«

Maier lobte auf der Veranstaltung in Pirna das Buch »Europa verteidigen«, in denen auch Texte eines Bloggers veröffentlicht sind, der Breivik als wichtige persönliche Inspirationsquelle bezeichnet. Maier selbst nennt das Buch, das im Verlag des neurechten Publizisten Götz Kubitschek erscheinen ist, als eines der Gründe für sein politisches Engagement. Kubitschek ist ein enger Weggefährte von Björn Höcke, dessen gemeinsamer Auftritt mit Maier im Januar in Dresden für Entsetzen sorgte, als Maier ein Ende des »Schuldkults« forderte und Höcke das Holocaust-Mahnmal als »Denkmal der Schande« bezeichnete. Gegen beide wurden deshalb Parteiausschlussverfahren angeregt. Damals versprach Maier dem Publikum, die AfD werde entschlossen gegen »die Herstellung von Mischvölkern« kämpfen, die nationale Identitäten auslöschen wollen.

Selbst der neurechte Autor Martin Lichtmesz, dessen 90-seitige Analyse zum Fall Breivik in »Europa verteidigen« abgedruckt ist, distanzierte sich auf der Veranstaltung in Pirna von Maier. Lichtmesz ist einer der führenden Köpfe der vom Verfassungsschutz beobachteten »Identitären Bewegung«. Zu Beginn seines Vortrages sagte er laut Vowärts, dass Breivik durchaus als »Psychopath und pathologisch stark gestörter Mensch« zu betrachten sei und nannte dessen Taten »eine hässliche und traumatische Geschichte, die da passiert ist«. Gegenüber »Spiegel Online« sagte Lichtmesz, er habe Maier für dessen Äußerungen zu Breivik in seinem Redebeitrag kritisiert und die Sache zurechtgerückt. Und: »Zwischen einem Publizisten und seinen Lesern auf der einen und einer so grausamen Tat auf der anderen Seite klafft ein Abgrund, den nur überspringen kann, wer wirklich pathologisch so krank ist wie Breivik.«

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