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Geschäfte mit einem Ladenhüter

Wie der Plan mit der BVB-Aktie gelingen sollte

Die Aktionäre von Borussia Dortmund (BVB) können sich freuen: Mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 5,55 Euro reagierte der Börsenkurs auf die Festnahme eines Tatverdächtigen. Damit wurde der Kursverlust wettgemacht, den die Aktie nach dem Aus des BVB in der Champions League gegen den AS Monaco verzeichnet hatte. Solche Schwankungen sind es, auf die der jetzt Festgenommene offenbar spekuliert hatte.

An der Börse kann man nämlich auch bei Kursverlusten Gewinn machen: mit Optionsscheinen, die dem Besitzer das Recht einräumen, eine bestimmte Menge eines Wertpapieres bis zu einem bestimmten Datum zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Ursprünglich sollten Puts Getreidebauern helfen, sich gegen Preisverluste bis zur Erntezeit abzusichern. Heute sind Optionsscheine oft Zockerpapiere. Man spekuliert darauf, ein Aktienpaket am Ende der Laufzeit billig ein- und teurer weiterzuverkaufen.

Vor allem aber werden Optionsscheine selbst an der Börse gehandelt. Bei Puts steigt der Kurs, wenn der Kurs der zugrunde liegenden Aktie fällt. Da der Put nur einen Bruchteil der Aktie kostet, brauchen Zocker nur einen kleinen Einsatz - und hoffen trotzdem auf den Megagewinn. Jeder Put hat schließlich einen Hebel: Aktienkursschwankungen schlagen sich beim Optionsscheinkurs überproportional nieder.

Der mutmaßliche Täter soll laut Bundesanwaltschaft am Tag des Anschlags 15 000 Verkaufsoptionen auf BVB-Aktien mithilfe eines Kredites erworben haben. Um welche Papiere es sich handelte, war zunächst nicht bekannt. Es gibt 23 ganz verschiedene Puts auf BVB-Aktien - manche kosten aktuell 37 Cent und haben einen Hebel von 14, andere kosten 4 Cent und haben einen Hebel von 135.

Überraschend ist, dass es die BVB-Aktie traf, denn sie gilt als Ladenhüter. Das internationale Kapital interessiert sich nicht für das Papier. Die Aktie wird wenig gehandelt und ist wegen der recht geringen Marktkapitalisierung von 512 Millionen Euro in keinem wichtigen Aktienindex gelistet. Umgekehrt ist der Börsenwert zu hoch, um Zocker anzulocken. Auch schreckt die Rechtsform ab: Das Geschäft rund um die BVB-Profifußballabteilung ist in einer GmbH & Co. KGaA gebündelt, wodurch die Vereinsführung im börsennotierten Zweig das Sagen hat, egal wer die Aktien hält. Hauptaktionäre sind daher Verbündete wie die Sponsoren Evonik, Signal Iduna und Puma, der fußballverrückte Unternehmer Bernd Geske und der Verein Borussia Dortmund. Es ist ein Papier für Fußballfans, weniger für Kapitalanleger oder gar für Superreiche, die sich einen Fußballverein kaufen wollen.

Der Tatverdächtige muss offenbar ein Krimineller mit wenig Kapitalgespür sein. Seine Wette ging auch finanziell schief: Die Kurse der BVB-Puts stiegen nach dem Anschlag weit weniger als gedacht - und stürzten jetzt zweistellig ab.

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