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Attentat auf den Pariser Champs-Elysées

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl wurde ein Polizist erschossen / IS bekennt sich

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Eilmeldung platzte am Donnerstagabend in die TV-Sendung, in der die elf Präsidentschaftskandidaten interviewt wurden: Auf den Champs-Elysées hat ein Attentäter mit einer Maschinenpistole auf Polizisten in einem Einsatzwagen geschossen. Dabei starb ein Polizist, zwei wurden verletzt, einer schwer. Eine Passantin aus Deutschland wurde durch einen Splitter verletzt. Der Täter wurde durch die Polizei erschossen. Nur eine halbe Stunde später bekannte sich der Islamische Staat (IS) im Internet zum Attentat, ein Schreiben mit Verweis auf den IS wurde inzwischen beim Attentäter gefunden.

Alle Präsidentschaftskandidaten nahmen sofort Stellung und sprachen den Angehörigen des Getöteten ihr Beileid aus. Marine Le Pen und François Fillon nutzten die Gelegenheit, um verschärfte Maßnahmen gegen Terror und Kriminalität zu fordern, selbst wenn dabei Bürgerrechte eingeschränkt werden müssten.

Jean-Luc Mélenchon und Emmanuel Macron hingegen mahnten, sich durch den Terror nicht beirren zu lassen und am Sonntag wählen zu gehen. Eine Unterbrechung des demokratischen Prozesses wäre ein Zugeständnis an die Terroristen. Während Le Pen, Macron und Fillon angesichts des Anschlags ihre für Freitag geplanten Wahlkampfmeetings absagten, auch um die zu ihrer Absicherung nötigen Ordnungskräfte zu entlasten, hielten Mélenchon und andere Kandidaten an ihren Plänen fest. Der offizielle Wahlkampf endete am Freitag um Mitternacht.

Im Anschluss an eine Krisensitzung im Elysée verurteilte Präsident François Hollande am späten Donnerstagabend in einer Fernsehansprache das Attentat, das demonstrativ kurz vor der Präsidentschaftswahl durchgeführt worden sei, als »Anschlag auf die Demokratie«. Er versicherte den Bürgern, dass alles zu ihrer Sicherheit getan werde.

Am Freitag legte Premier Bernard Cazeneuve Erkenntnisse zum Terroranschlag dar. Der Attentäter ist demnach der 39-jährige Franzosen Karim C. aus Livry-Gargan bei Paris. Er war ein polizeibekannter radikaler Islamist, der wegen eines früheren Anschlags auf Polizisten zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Nach seiner Haftstrafe war er erst vor wenigen Wochen erneut verhaftet worden, weil er offenbar einen neuerlichen Anschlag plante. Da der Verdacht sich nicht erhärtete, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der deutsch-französische Publizist Alfred Grosser zeigt sich derweil im nd-Interview sicher, dass Marine Le Pen es nicht in den Elysée Palast schaffen wird. Sein Favorit ist Emmanuel Macron; dieser führte die letzte Umfrage knapp vor Le Pen an. Seite 9

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