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Zankapfel Strandbad-Würfel

Bürger kämpfen gegen geplanten Abriss der alten Gaststätte am Müggelsee

Am Samstagvormittag wird gestrichen: Mit breiten Pinselrollen verteilen Mitglieder mehrerer Rahnsdorfer Bürgerinitiativen weiße Farbe auf der verrotteten Fassade der ehemaligen Gaststätte am Strandbad Müggelsee. Mit diesem symbolischen Zug wollen sie Öffentlichkeit erreichen: Das, was die Bezirksverwaltung durchsetzen möchte, verstoße gegen den Willen der Bürger, so die Demonstranten am Samstag.

»Kein Abriss«, steht auf einem Transparent. »Kommt der Würfel weg, geht wichtige Bausubstanz verloren, die aber für eine anvisierte Ganzjahresnutzung des Standbades wichtig ist«, sagt Gion Voges, Vorsitzender des Vereins Bürger für Rahnsdorf. Auch wenn der einstige Gaststättenkomplex äußerlich nicht gerade einladend wirke, so bescheinigten Experten aus Rahnsdorfer Bürgervereinen dem Bau aus den 1970er Jahren doch »das ewige Leben«. Voges nennt das Gebäude praktisch »unkaputtbar«. Bislang gebe es keinen Nachweis, dass der Würfel aus bautechnischen Gründen weg müsse. Auch andere Mitglieder des kürzlich gegründeten Fördervereins für den Erhalt dieses Gebäudes werfen dem Treptow-Köpenicker Bürgermeister Oliver Igel (SPD) vor, er wolle bereits vor Beginn der Strandbadsanierung unwiderrufliche Tatsachen schaffen. »Obwohl derzeit weder ein Entwicklungsplan noch ein Nutzungskonzept für das Areal vorliegen«, kritisiert Klaus-Dieter Maretzki.

Mit der Demonstration wollen die Rahnsdorfer auch zeigen, was künftig im Würfel, wenn er saniert würde, in Kombination mit dem darunter liegenden Saunagebäude möglich wäre: Ein Schwimmbecken im Innen- und Außenbereich, Physiotherapie, Sauna sowie Kinder- und Babyschwimmen beispielsweise. »Ein Investor dafür steht bereit«, sagt Voges. Würde abgerissen, dürfe hier, mitten im Trinkwasserschutzgebiet, nichts Neues entstehen. Bezirksbürgermeister Igel macht auf nd-Nachfrage deutlich: »Die Bürgerinnen und Bürger gehen fälschlicherweise davon aus, dass erst mit dem Abriss des Würfels die Nutzungsmöglichkeit an dieser Stelle eingeschränkt wird. Richtig ist aber, dass durch den mehr als ein Jahrzehnt dauernden Leerstand der Bestandsschutz erloschen ist und dort kein Neubau möglich ist.« Auch ein Umbau wäre planungsrechtlich wie etwas Neues zu werten.

Ein Gutachten ermittelte im Würfel außerdem gefährliche Dämmungen sowie krebserregende, PAK-haltige, Dach- und Fundamentabdichtungen. »Ich will also nicht den Bau abreißen, ich muss«, so Igel. Im Mai sollen die Bagger anrollen.

Ein Planungsbüro bereitet die denkmalgerechte Sanierung der Strandbadgebäude sowie die energetische Sanierung der ehemaligen Sauna vor. Anfang 2018 soll die Planung fertig sein. »Die Ergebnisse werden dann öffentlich zur Diskussion gestellt«, sagt Oliver Igel. Ziel sei es, dieses Areal so zu entwickeln, dass es einer breiten Bevölkerungsschicht zugute kommt. »Die jetzigen Pächter waren schon bei mir und haben Interesse daran, ganzjährig ihre Geschäfte und Gastronomie zu öffnen«, berichtet der Bezirksbürgermeister.

Die Rahnsdorfer geben nicht auf. »Wir suchen das Gespräch mit dem Bürgermeister und wollen auf unsere offenen Fragen endlich Antworten bekommen«, erklärt Maretzki.

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