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Endlich eine Medaille

Olympia-Pechvogel Elisabeth Seitz strahlt über EM-Bronze an ihrem Lieblingsgerät Stufenbarren

  • Von Frank Thomas, Cluj-Napoca
  • Lesedauer: 3 Min.

Beim Blick auf die Anzeigetafel schwante ihr Böses. Traurig schaute Elisabeth Seitz nach ihrer EM-Übung am Stufenbarren drein. Doch in Cluj-Napoca gab es am Ende keine Tränen wie noch bei den Olympischen Spielen in Rio, diesmal konnte die Wahl-Stuttgarterin letztlich strahlen. Die Bronzemedaille, gemeinsam mit Mehrkampf-Europameisterin Elissa Downie aus Großbritannien, war der Lohn für ihren unbändigen Willen.

»Zuerst war ich kurz enttäuscht. Denn als Turnerin bin ich Perfektionistin und will eine schöne Übung zeigen. Das ist mir nicht hundertprozentig gelungen«, gab sie zu. Dennoch hegte sie keinen Gedanken mehr an das Trauma von Rio, als ihr 0,033 Punkte zur Bronzemedaille fehlten, die Teamgefährtin Sophie Scheder gewann.

Beim Hindorff-Flugelement sei sie so weit weg vom Holm gewesen, »dass ich nur dachte: Scheiße, Scheiße, Scheiße - vielleicht geht es schief«, berichtete Seitz. »Jetzt bin ich stolz, dass ich die Situation so routiniert gemeistert habe.« Aber die zwei Zehntel für die geplante Verbindung waren weg, es drohte wieder Platz vier.

Als aber die britische Titelverteidigerin Rebecca Downie vom Gerät stürzte, war der Weg auf das Podest frei. Dennoch war Seitz die Erste, die am Samstag Mitgefühl mit der unglücklichen Konkurrentin zeigte. Mit einer glanzvollen Übung hatte sich unterdessen Nina Derwael den ersten EM-Titel für Belgiens Turnerinnen verdient.

»Ich bin jetzt überglücklich, dass es noch gereicht hat«, sagte die gebürtige Heidelbergerin, als sie die erste EM-Medaille für eine Deutsche an diesem Gerät seit sechs Jahren erkämpft hatte. Damals hatte in Berlin Kim Bui gleichfalls Bronze gewonnen. In Transsilvanien belegte Bui den fünften Rang.

Die erste EM-Medaille nach Silber im Mehrkampf 2011 ist Ausdruck des nie erlahmenden Kampfeswillens der deutschen Führungsturnerin. Nach Olympia hatte sie sich einer erneuten Fußoperation unterzogen und sich bei einem mehrwöchigen Praktikum im Südwestrundfunk erst einmal um ihre berufliche Entwicklung gekümmert. »Ich hätte kaum gedacht, dass die Form für die EM reicht«, sagte sie. »Aber vielleicht ist das erst der Anfang. Das beste Beispiel ist Fabian Hambüchen, der hat auch nie aufgegeben«, meinte Seitz.

Seitz’ Karriere stand vor einigen Jahren schon einmal auf der Kippe. Nach Platz sechs bei Olympia 2012 gab es einige Kritiker in ihrem damaligen Umfeld, »die wollten, dass ich aufhöre«, bestätigte sie. »Es gab Menschen, die sagten, als Turnerin ist nach einmal Olympia Schluss. Das sah ich anders. Es war eine harte Zeit«, räumte sie in der »Welt« ein. Der Wechsel von Mannheim nach Stuttgart setzte neue Motivation frei und ließ sie auch nicht verzweifeln, als sie 2014 erstmals am linken Fuß operiert werden musste.

Für Cheftrainerin Ulla Koch ist Seitz aus der Auswahlriege derzeit nicht fortzudenken. Koch verteilte Komplimente, weil sich ihre Vorturnerin in den wenigen Wochen seit Ende Februar in eine Form gebracht hatte, mit der sie in Rumänien mehr als konkurrenzfähig war. »Sie hat keinen Freifahrtschein zur EM bekommen, sie musste sich das Ticket hart erkämpfen«, lobte Koch. dpa/nd

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