Werbung

»Ich mein’, das Leben …

Kathrin Gerlof über Erkenntnisse der PISA-Studie im Spannungsfeld zwischen Castingshows und Thomas Bernhard

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

… hat an und für sich lauter Nachteile. Weil in der Jugend ist es scheußlich und man ist angegriffen, überall, und man hat keinen Halt, und wenn man einen hat, wird einem die Hand sofort abgehackt.« Thomas Bernhard war wirklich Pessimist. Das konnte und kann man in Österreich auch schnell werden. Jetzt gerade erst mussten wir erfahren, dass sich ein Viertel aller Österreicher (ich hoffe mal, dass da keine Frauen dabei sind) einen starken Führer wünscht, der sich weder um Wahlen noch um Parlamente kümmern muss. 23 Prozent haben offensichtlich nie einen Film von Guido Knopp gesehen und deshalb ein völlig falsches Bild davon, was ein GröFaZ alles anrichten kann.

43 Prozent (!) der Österreicher (vielleicht sind doch ein paar Frauen dabei) möchten es zwar nicht ganz so schlimm, also keinen Systemwechsel hin oder zurück zum Tausendjährigen, aber einen starken Mann an der Spitze wollen sie wohl.

Aber wir waren bei Thomas Bernhard und seinen Ansichten zur Jugend. Hierzulande, also nicht weit weg von Österreich, sind wir gerade alle überrascht über die Ergebnisse einer PISA-Studie über die Befindlichkeiten und Gedanken von 15-jährigen Schülern (da müssen Mädchen dabei gewesen sein, auch wenn meist nur von Schülern die Rede ist). Sie sind im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrem schulischen Dasein (Thomas Bernhard drehte sich im Grabe um). Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist: Gute Leistungen bedingen keine Zufriedenheit, schließen sie aber auch nicht aus. Hammer. Und noch eine Wahnsinnserkenntnis: Wer sich als Außenseiter wahrnimmt oder zum Außenseiter gemacht wird, hat ein dreifach erhöhtes Risiko, unglücklich zu sein. Damit hätte auch niemand gerechnet. Schon eher damit: Jungs sind im Allgemeinen zufriedener als Mädchen.

Das ist in einer Welt, in der Jungs einfach so ins Weltall fliegen können, während Mädchen sich einer einjährigen Casting-Show mit allem Schnick und jedem Schnack unterziehen müssen, bevor sie in die engere Wahl kommen, auch nicht verwunderlich. Valentina Tereschkowa, die erste Frau im All, wäre angesichts dieser Entwicklungen ziemlich verwundert. Die war bei keiner Casting-Show, weil es die in Diktaturen gar nicht gab. Aber die Sache mit dem Casting ist insgesamt im Geschlechterkampf ausbaufähig. Und auch sonst wären Shows eine gute Einrichtung, wenn es zum Beispiel um die Wahl des nächsten Finanzministers geht. Schwarze Null gegen Rote Nase oder so. Und Lafontaine sitzt in der Jury.

Das schweift jetzt sehr weit ab, Entschuldigung. Aber es ist auch ein bisschen bizarr, 400 Frauen gegeneinander antreten zu lassen, um eine von ihnen später mal auf den Mond oder sonstwohin zu schießen. Alles nicht schön - und wer ist schuld? Wahrscheinlich Heidi Klum.

Zurück zur Jugend und ihrer Befindlichkeit. Mädchen fühlen sich in Deutschland in der Schule weniger verstanden und unterstützt - sowohl fachlich als auch sozial. Ja, wenn die da schon Memmen sind, werden sie später keine noch so schöne Berufs-Casting-Show als Siegerinnen überstehen.

Manche Erkenntnisse der PISA-Studie sind dermaßen überraschend, dass sie an die Überraschung anknüpfen, die man angesichts der Sehnsucht der Österreicher nach einem Führer empfindet. Kinder, die mit ihren Eltern viel reden, schneiden bei der Studie 20 Punkte besser ab als Kinder mit wenig Austausch. »Hierin zeigt sich, dass bei erfolgreicher Bildung auch die Eltern gefordert sind.« Nee glaubste? Darauf wären wir ohne die Studie bestimmt nicht gekommen.

Doch jetzt kommt - klassischer Ringbau einer Kolumne - die ganz schlechte Nachricht: Thomas Bernhard hat gesagt, es wird auch im Alter nicht besser. »Wenn man älter wird, hat man auch nichts davon, weil man die Dinge noch mehr durchschaut und außerdem alt wird. Es ist alles nicht sehr angenehm.«

Aber wie gesagt, der Mann war Österreicher und als solcher muss man einfach einen pessimistischen Blick auf die Welt haben.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen