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Bosse für »Ehe für alle«

In Australien ist ein Streit zwischen Wirtschaftsvertretern und Regierung über die Diskriminierung von Schwulen und Lesben ausgebrochen

Alan Joyce ist ein Mann des offenen Wortes. Zum Beispiel sagt der Chef der australischen Fluggesellschaft Qantas uneingeschränkt »Ja« zur Homo-Ehe. Das missfällt der regierenden konservativen Liberalen Partei so sehr, dass sie nicht vor böswilligen Attacken auf Joyce zurückschreckt.

Peter Dutton, Minister für Einwanderung und Grenzschutz, wirft Joyce vor, seine Position zu missbrauchen sowie den guten Ruf von Qantas und das Geld der Aktionäre durch sein Eintreten für die Homo-Ehe zu riskieren. »Herr Joyce ist ein außerordentlich guter CEO. Er ist ein guter Mensch und ich kenne ihn persönlich - ich habe nichts gegen ihn«, säuselte Dutton gegenüber australischen Medien, um dann zum »Aber« auszuholen: »Seine spezielle Sicht auf egal welches Thema sollte er lediglich als Privatperson kundtun.« Was Dutton meint: Als offen schwuler Mann sollte Joyce schwulenpolitisch die Klappe halten.

Das lässt Joyce nicht auf sich sitzen. Gleiche Rechte auch für Schwule und Lesben würden wirtschaftlich Sinn für seine Firma machen, antwortete Joyce dem Minister. Darüber hinaus sei Qantas einfach dagegen, dass »manche Menschen weniger Rechte haben sollen als andere«.

Ausgelöst wurde der Streit durch einen Offenen Brief an Premierminister Malcolm Turnbull Mitte März, in dem Joyce und 19 Spitzenmanager großer australischer Unternehmen und Banken die Ehegleichheit fordern. »Ehegleichheit basiert einfach auf unseren gemeinsamen australischen Werten des ›fair go‹ und des Respekts vor jedem.« Oder, wie Joyce in seiner Replik auf Dutton betonte, die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen gehe über »den Verkauf von Dingen« hinaus.

Ginge es nach der Mehrheit, könnten schwule und lesbische Paare in Australien längst verheiratet sein. 65 bis 70 Prozent der Australier sind für die »Ehe für alle«. Selbst in beiden Häusern des Parlaments gäbe es eine Mehrheit - wenn sie darüber abstimmen dürften und Premierminister Turnbull den Abgeordneten seiner Regierungskoalition eine Gewissensabstimmung erlauben würde. Das aber ist ausgeschlossen. Stattdessen weicht Turnbull gerade auf Druck des rechten Flügels seiner Partei und der rechtspopulistischen Oppositionspolitikerin Pauline Hanson das Gesetz gegen Rassismus und die Diskriminierung sexueller Minderheiten auf.

Nicht nur in Australien setzen immer mehr Firmen in ihrer Unternehmens- und Personalpolitik auf »Diversity«. Durch Maßnahmen wie Antidiskriminierungsrichtlinien wird vielerorts die kulturelle, ethnische, religiöse und auch sexuelle Vielfalt der Belegschaft gewürdigt.

Minister Dutton kanzelte den Brief der Manager dennoch als »politisch korrekten Unsinn« ab und erntete dafür scharfe Kommentare seiner Kabinettskollegin Julie Bishop und der Vorsitzenden des Unternehmerverbandes »Business Council«. Außenministerin Bishop betonte: »Wenn die Manager glauben, dass eine gemeinsame Stellungnahme im Interesse ihrer Unternehmen ist, dann haben sie die Freiheit, das zu tun.«

Jennifer Westacott, Vorsitzende des »Business Council« und ebenfalls Unterzeichnerin des Offenen Briefes, sagte nüchtern: »Das ist eines dieser Themen, in das wir offenbar keinen Schwung kriegen. Aber wir verlangen von der Regierung, dass sie es nicht wieder verschleppt, sondern zu ihrer Priorität erklärt.«

Die Schwulen- und Lesbenaktivisten lehnen sich derweil milde lächelnd zurück. Sie wissen: Die Einführung der Homo-Ehe ist nur noch eine Frage der Zeit. Die nächste Parlamentswahl ist schon in zwei Jahren - wenn der politisch angeschlagene Premierminister Turnbull solange durchhält.

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