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Kontrolltour an Bächen und Flüssen

Nordost-Wasserverbände beugen Überflutungen vor

  • Von Jürgen Drewes, Rostock
  • Lesedauer: 3 Min.

Regen ist wichtig, aber zu viel davon kann schnell zum Problem werden, wenn das Wasser Felder und Wiesen oder gar Straßen und Siedlungen überflutet. Deshalb sind in Mecklenburg-Vorpommern jeweils im Frühjahr Mitarbeiter der 27 regionalen Wasser- und Bodenverbände landauf, landab unterwegs, um an Flüssen und Bächen nach dem Rechten zu sehen - gemeinsam mit Landwirten, Kleingärtnern und interessierten Bürgern.

Unweit von Rostock wirtschaften die Landwirte Friedhelm Thiel und Christian Pentzlin als unmittelbare Nachbarn. Die Chefs der Landwirtschafts-GmbH Petschow und des Gutes Göldenitz kooperieren unter anderem auf Weideflächen. Dort haben sich Hunderte Maulwurfshügel aufgetürmt. Aber das ist ein kleines Übel im Vergleich zu Laub, Ästen und Müll in dem Grabensystem rund um die Weideflächen.

»Das alles bremst den Wasserdurchlauf. Einige Rohre, die die Gräben unter den Wegen verbinden, scheinen schon verstopft zu sein«, befürchtet Thiel. »Wenn der Ablauf nicht funktioniert, kann das schnell zum Überfluten der angrenzenden Flächen führen.«

Kevin Otto vom Wasser- und Bodenverband Untere Warnow-Küste ist um eine schnelle Lösung bemüht. Mit einem Spezialhaken an einem Teleskopstiel schiebt er die Einlagerungen beiseite und zieht sie am Grabenrand hoch. Schon zischt das Wasser wieder ungehindert durchs Rohr.

Ein paar hundert Meter weiter werden die acht Frauen und Männer, die an diesem Tag den Kontrollgang begleiten, mit einem größeren Problem konfrontiert. Hier liegen abgestorbene Eschen kreuz und quer im Graben. Die vielen Äste behindern den Wasserdurchfluss sichtbar - und müssen schnell weg. Nach kurzer Diskussion ist klar: Niemand weiß, wem der angrenzende Wald gehört, in dem die Bäume einst standen. Der Besitzer muss nach Rechtslage für die Beräumung sorgen. Doch den zu finden könnte dauern.

Es gibt einen unbürokratischen Kompromiss: Gutsbesitzer Pentzlin erklärt sich bereit, die Bäume wegzuräumen. »Das ist schnell gemacht. Ich ziehe die Bäume an Land. Dazu brauche ich nur ein Seil und einen Traktor. Dann schneiden wir die Bäume noch auseinander, und fertig ist die Sache«, sagt der Landwirt.

Er erntet Zustimmung, vor allem vom verantwortlichen Bodenverbandsingenieur Jörn Steinhagen. Das Engagement spart ihm Geld. Die Mittel zum Erhalt der mehr als 1000 Kilometer Fließgewässer mit 200 Kilometer Rohrleitungen im Bereich Untere Warnow und Küste sind begrenzt, 800 000 Euro stehen den Bauteams übers Jahr zur Verfügung. Angesichts anstehender Vorhaben sind die schnell ausgegeben.

Ein solches Bauvorhaben zeichnet sich gerade im Bereich der Kösterbeck ab. Dort wird das Kontrollteam auf die Arbeit von Bibern aufmerksam. Die Tiere haben das Wasser bereits soweit angestaut, dass Flächen überflutet sind. Auch in diesem Fall wird noch vor Ort nach einer Lösung gesucht. Doch dies gestaltet sich schwierig.

»Der Biber steht unter Artenschutz. Da können wir jetzt nicht so einfach ran, um den alten Zustand wiederherzustellen«, sagt Steinhagen. Das Land hat einen Bibermanagementplan verabschiedet, der vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow koordiniert wird. Dorthin werde man sich wenden, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, die dem Biberschutz und der landwirtschaftlichen Produktion gleichermaßen gerecht wird. dpa/nd

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